Partnerschaft mit Snowsk (ehemals Schtschors)

Die Freundschaft zwischen Fröndenberg und Snowsk wurde gefestigt.

Nachdem 2006, 2007 und 2009 jeweils eine Jugendgruppe aus Snowsk, einer kleinen Stadt im Norden der Ukraine, Gast in Fröndenberg war, besuchten jetzt vom 8. bis 17. August 2010 sechs Jugendliche und drei Erwachsene Schtschors.

Erlebnisreiche Tage liegen hinter ihnen. Viele große Koffer hatten sie mitgenommen, u. a. gefüllt mit Spielsachen für den Kindergarten und die Internats-Sonderschule, mit medizinischen Geräten für das Krankenhaus und mit Pflegeartikeln für das Altenheim. Alle diese Dinge waren gespendet von Freunden von Schtschors, ebenfalls die 3000 €, die in den sozialen Einrichtungen des Ortes helfen werden, die Not der Menschen zu lindern.

In vielen Häusern hingen Drucke von den Fröndenberger Kirchen, die in den vergangenen Jahren mitgebracht worden waren. In diesem Jahr wurden 15 Bildbände von Fröndenberg verschenkt, so dass viele Bürger in Snowsk einen Eindruck bekommen von der Stadt, mit der sie freundschaftlich verbunden sind.

Die deutschen Gäste wohnten in Privatfamilien, wie damals die Besucher aus Snowsk in Fröndenberg. Einige Jugendliche kannten Jungen und Mädchen aus Schtschors wieder, die sie bei sich zu Hause kennen gelernt hatte.

Das Programm begann mit einem Empfang durch die Stadt- und Bezirksverwaltung in Snowsk. Dort konnte ein Grußwort von Bürgermeister Rebbe zusammen mit der Fröndenberger Fahne überreicht werden. In den folgenden Tagen standen Besuche in der Musikschule, der Tanzschule, der landwirtschaftlichen Berufsschule auf dem Programm. Hier diskutierten die deutschen und die ukrainischen Jugendlichen die Fragen, die sie interessierten: Können in Deutschland auch arme Jugendliche studieren? Wie finden wir deutsche Jugendliche, mit denen wir im Internet chatten können?

Beim Treffen mit den Jugendlichen der russisch-orthodoxen Kirche wurden wir begrüßt mit dem Ruf „Kuckuck“. Das sollte uns erinnern daran, dass wir vor drei Jahren begeistert das Lied „Und jetzt gang i ans Peters Brünnele“ gesungen hatten. Auch an diesem Abend war es der Stimmungsmacher, an dem sich alle Anwesenden, auch die alten Frauen, mit großer Freude beteiligten. Pater Bogdan konnten wir die Grüße der russisch-orthodoxen Gemeinde aus Menden überreichen.

Die deutsche Gruppe wurde immer von ukrainischen Jugendlichen begleitet. Bei dem heißen Wetter in diesen Tagen – meistens über 35 Grad Celsius – badeten sie im nahe gelegenen Fluss oder in einem kleinen See, auf dem sie auch in zwei Katamaran-Booten fahren konnten. Wenn sich die Erwachsenen abends müde zurückzogen, erfreuten sich die Jugendlichen regelmäßig bis spät in der Nacht am Lagerfeuer. Die Verständigung war in Englisch möglich. Zwei deutsche Jugendliche konnten aber auch Russisch.

An einem Tag wurde die Großstadt Tschernigow besucht, ca. 70 km von Snowsk entfernt. Nach der Stadtführung lernte man das deutsche Kulturinstitut, eine private Einrichtung, die sich um die Verbreitung der deutschen Sprache bemüht, kennen.

Der anschließende Besuch bei Frau Maria Jarosch in dem kleinen Dorf Budy war beeindruckend und bewegend. Ihr Schwiegersohn holte mit zwei Eimern Wasser aus einer Baumgruppe, da das Haus keinen Wasseranschluss hatte. Die Frau war 63 Jahre alt und berichtete von den guten Erfahrungen, die ihre Mutter und ihre damals acht Kinder mit deutschen Soldaten gemacht hatten. Obwohl extrem arm, hatte sie für die deutschen Gäste ein umfangreiches Essen vorbereitet. Ihr pausenloses Reden ging in Tränen unter. Deutsche Mädchen meinten: „Da haben wir auch feuchte Augen bekommen.“

Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg wurden wach beim Besuch des ehemaligen deutschen Soldatenfriedhofs. Er wurde 1943 eingeebnet. Inzwischen ist dort eine kleine Gedenkstätte errichtet, auf dem der Leiter der Kriegsgräberfürsorge in Kiew bei einem unangemeldeten Besuch in Schtschors Blumen vorfand. Im Waldgebiet um Schtschors (heute Snowsk) hat man neben die Denkmäler für die Partisanen ein Kreuz gestellt, das an die gefallenen deutschen Soldaten erinnert. Im Dorf Turja befindet sich auf dem Friedhof ein Grab von drei deutschen Soldaten, das von Schülern des Lehrers Marukhlenko gepflegt wird, der 2006 Fröndenberg besuchte. An all diesen Gedenkstätten legten die deutschen Gäste Blumen nieder.

Höhepunkt des Besuchs in Snowsk war die Einweihung der orthodoxen Kirche, deren Bau Fröndenberger Bürger seit 2001 beobachten konnten. Nach dem Gottesdienst, der vier Stunden dauerte, wurden die deutschen Gäste an den Altar zum Bischof gebeten. Ein Grußwort der Pfarrer der evangelischen und der katholischen Kirchengemeinde Fröndenberg wurde verlesen und eine große Kerze überreicht. Den deutschen Gästen dankte man für die jahrelange finanzielle Unterstützung des Kirchbaus. Der Freundeskreis Snowsk erhielt als Anerkennung für seine Arbeit bei der Entwicklung im Bezirk Snowsk – Tschernigow eine Urkunde und einen Orden.

Den Abschluss der Ukrainefahrt bildete der Besuch des Lawra-Höhlenklosters, des Museums der ukrainischen Kostbarkeiten mit dem Goldschatz der Skyten und der Besuch der Sophienkathedrale in Kiew.

Nach dem bewegenden Abschied der ukrainischen und der deutschen Jugendlichen zeigt das Chatten der Jugendlichen miteinander, dass das Ziel der Förderung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Menschen in Snowsk und Fröndenberg erreicht wurde.


Stand:  10.05.2017 19:30