Predigtarchiv

Wer hat eigentlich das Sagen in der Welt?
vom 29.05.14, 11:00    Rubrik: Predigten

Psalm

Gott.

Du bist doch mächtig,

oder nicht?

Du hast doch alles in der Hand,

oder nicht?

Du bist doch der König der Könige,

oder vielleicht doch nicht?

Wenn du doch die Macht hast,

dann hau doch endlich mal

auf den Tisch.

Dann sorge für Ruhe, für Frieden und Gerechtigkeit.

Dann lass doch diese elenden Tyrannen auf der Welt

einfach mal verschwinden.

Dann beende die Krisenherde auf der Welt

und lass dein Reich der Liebe

wachsen und sich entfalten.

Zeig uns doch,

wie stark du bist

und lass endlich mal

deine Muskeln spielen.

Gott.

Doch zugleich lese ich in der Bibel,

dass du wie ein zarter Luftlauch bist,

wie eine Mutter, die ihre Kinder liebt.

Ich höre, dass du in deinem Sohn

am Kreuz von Golgatha

gestorben bist,

um die Hässlichkeiten der Welt

mitzutragen.

Ich staune und entdecke:

du lebst deine Macht in der Ohnmacht.

Deine Faust ist eine zärtliche Berührung.

Deine Kraft ist ein Mittragen unseres Leides.

In diesem Sinne bist du

Herr der Herren und

König der Könige.

Gott,

du bist stark und allmächtig,

und doch anders

als wir denken.

 

Schuldgebet

Guter Gott,

wie oft zweifeln wir an deiner Macht.

Wir sehen den Streit, der uns niederdrückt.

Wir erleiden die Krankheit, die uns Kräfte raubt.

Wir hören von Krieg und Gewalt, die uns Angst macht.

Wir spüren unsere eigene Kraftlosigkeit, die uns mutlos macht.

Und fragen uns: wo bist du?

Hast du uns vergessen, aus dem Blick verloren, beiseite geschoben?

Wo bist du?

Dabei bist du schon längst da, mitten in unserem Streit, mitten in unserer Krankheit, an der Seite der Kriegsopfer, mitten in unserer Kraftlosigkeit. Du bist da. An unserer Seite. Unsichtbar, und doch voller Kraft und Liebe.

Vergib uns, wenn wir immer wieder an dir zweifeln. Vergib uns, wenn wir dich an unseren Vorstellungen und Erwartungen messen.

Und öffne uns die Augen für deine Gegenwart, für deine Heiligkeit, für deine Größe. Herr, erbarme eich über uns.






Gnadenzuspruch

Jesus Christus herrschat als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sie der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.

Fürstentümer und Gewalten, Mächte, die die Thronwacht halten, geben ihm die Herrlichkeit; alle Herrschaft dort im Himmel, hier im irdischen Getümmel ist zu seinem Dienst bereit.

Tagesgebet

Wer hat eigentlich das Sagen in der Welt? Die mächtigen Politiker? Oder vielleicht doch das Geld? Wer hat eigentlich das Sagen? Und wie weit reicht deine Macht, dein Einfluss, guter Gott? Wo ist dein Reich zu finden, deine Idee vom Leben? Diese Fragen beschäftigen in diesem Gottesdienst. Diese Fragen stellen wir uns immer wieder. Sprich du uns an mit deinem Wort und lass Gedanken finden, die wir weiterdenken können. Schenke uns das durch deinen Heiligen Geist. Amen.

Predigt

Jetzt ist es raus. Wochenlang hingen die Plakate der hiesigen Parteien an den Straßenlaternen und warben um unsere Stimme. Doch seit vergangenen Sonntag ist klar: der bisherige Bürgermeister wird für die nächsten Jahre auch der nächste sein. Und die SPD, die CDU, die Grünen, die Liberalen, die Freie Wählergemeinschaft und die Linken werden zukünftig im Stadtrat über die Geschicke unserer Stadt beraten und beschließen. Und ich will an dieser Stelle im Namen der Kirchengemeinden ausdrücklich allen Gewählten herzlich gratulieren ihnen und gute Zusammenarbeit anbieten. Ich erwarte und vertraue darauf, dass alle Ratsmitglieder im Sinne unseres Grundgesetzes verantwortlich handeln werden. Gleichzeitig gilt mein Dank auch all den Kandidaten, die nicht gewählt wurden. Denn nur wenn Leute mitmachen und nur wenn wir zur Wahl gehen, funktioniert Demokratie.

Einen ganz anderen Entscheidungsrahmen haben darüber hinaus unsere Vertreterinnen und Vertreter auf Landes- und auf Bundesebene. Und auch hier bringe ich allen meinen Respekt entgegen.

Und wenn ich dann noch einen kurzen Blick auf die Europawahl werfe, merke ich, wie die Machtfrage immer komplizierter wird.





Noch mal schwieriger und undurchsichtiger wird es dann aber auf der großen Bühne. In der großen Weltpolitik. Wer hat dort eigentlich die Macht? Wer zieht eigentlich die Strippen? Wer hat das Sagen? Wer wird diese unsere Lebensjahre in besonderer Weise bestimmen? Ist Barak Obama der mächtigste Mann der Welt? Oder ist es doch Angela Merkel, die im Hintergrund die Strippen zieht? Wer hat das Sagen? Wer macht das Rennen? Wer hat eigentlich die Macht? Ich gebe zu, bei manchen Namen spüre ich eine deutliche Unsicherheit. Eine vorsichtige Angst. Welche Rolle spielt zum Beispiel Putin in der Ukraine? Von welcher Gier nach Macht wird er getrieben? Welche sichtbaren und unsichtbaren Grenzen wird er noch überschreiten?

Und wir brauchen nicht viel Fantasie. Es werden irgendwo und immer wieder Herrscher an die Macht kommen, die ihre Macht missbrauchen, die eigene Interessen verfolgen, die sich persönlich bereichern und die Bürgerinnen und Bürger ihres Landes entrechten und unterdrüücken und weltweit für Angst und Schrecken sorgen.

Wer hat die Macht? Oder sind es vielleicht gar nicht die Politiker, die letztendlich die Fäden ziehen? Sind es die Banken? Die großen Industrien? Die Mediennetzwerke? Wer ist der eigentliche Herr im Ring?

„Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig!“

So haben wir - gegen oder passend zu meinen Überlegungen zu den Herren der Welt - eben gesungen. Und genau diese Liedstrophe ist es auch, die mich dazu veranlasst hat, diese Predigt zu schreiben und über die begrenzte Macht der Mächtigen nachzudenken.

„Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig!“

Eine harmlose Formulierung oder ein starkes Bekenntnis von Philipp Friedrich Hiller aus dem Jahr 1755 oder 1757?

In diesen Jahren wurden die damaligen Nachrichten von Krieg und Schrecken bestimmt. Am 1. November 1755 zerstörten eine verheerendes Erdbeben mit einem anschließenden Tsunami Lissabon. 30.000 Menschen starben. Und die Nachrichten sind ohne Zweifel bis nach Deutschland geschwappt.

Der Siebenjährige Krieg brach aus und tobte auch in Mitteleuropa.

Damit verbunden der englisch-französische Kolonioalkrieg.

Es ging um die Vorherrschaft in Europa, um den Einfluss in der weiten Welt.

Irgendwie ist uns das heute alles sehr bekannt.

Und trotzdem und vermutlich deswegen formulierte Hiller: „Jesus Christus herrscht als König“.

Ich finde, ein starkes, mutmachendes und klärendes Bekenntnis.

Und in der Tat greift diese Liedstrophe von Philipp Friedrich Hiller einen zentralen Gedanken und eine roten Faden der Bibel auf.

In dem Zusammenhang der Zehn Gebote heißt es im 5. Buch Moses:

Der Herr, euer Gott, ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige, der, der die Person nicht ansieht und kein Geschenk nimmt. Er schafft Recht den Waisen und Witwen und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt“.

Im Buch der Sprüche, heißt es sogar:

Durch mich, sagt Gott, regieren die Könige und setzen die Ratsherren das Recht, Durch mich herrschen die Fürsten und die Edlen richten auf Erden“.

Und im Psalm 72 wird jubelnd die Größe Gottes besungen:

Alle Könige sollen vor ihm niederfallen und alle Völker ihm dienen.

Und die sogenannte Himmelfahrtsgeschichte greift diese Aussagen auf und überträgt sie auf den auferstanden Christus. Er fährt zum Himmel und sitzt fortan zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters. Von dort wird er kommen zu richten alle, die Lebenden und die Toten, die Mächtigen und die Entrechteten. Himmelfahrt bedeutet: Jesus Christus herrschat als König. Er sitzt auf dem Thron Gottes, und er er ist der Herr der Herren, der Herr der ganzen Welt.

Liebe Himmelfahrtsgemeinde,

ein erster tröstlicher Gedanke erschließt sich mir daraus.

Die Macht der Mächtigen, der großen und der kleinen Präsidenten, der gewählten Volksvertreter oder der selbst ernannten Tyrannen, sie ist immer nur vorläufig, immer endlich. Sie ist lediglich für eine bestimmte Zeit verliehen. Sie ist immer auch begrenzt. Gott sitzt noch eine Stufe höher. Jesus Christus sitzt auf dem Thron, und er hält die Menschen in seiner Hand, selbst die Menschen, die meinen, alles in der Hand zu haben. Von daher verlieren diese Mächtigen der Welt für uns, die wir an Christus glauben, an Wichtigkeit und Glanz. Sie sind nur ein Augenblick der Geschichte. Sie haben nicht die letzte Macht. Sie werden vergehen, und irgendwann sind sie nur noch eine Episode im Geschichtsbuch.

Ein zweiter tröstlicher Gedanke.

Wenn die Bibel sagt, dass alle Herren ihre Knie vor Gott beugen müssen, dann heißt das, dass nicht nur wir Kleinen uns vor Gott verantworten müssen, sondern auch die sogenannten Großen. Jede Politikerin, jeder Politiker, jeder Firmenchef, jeder global player wird vor Gott treten müssen. Und er wird sie fragen: was habt ihr mit eurer Macht gemacht? Habt ihr sie eingesetzt zum Wohle der Menschen? Habt ihr sie genutzt, um meine wunderbare Schöpfung zu bewahren? Habt ihr sie gebraucht, mir zur Ehre? Und Gott wird von allen Präsidenten, von allen Tyrannen, von allen einflussreichen Menschen Rechenschaft verlangen. Mich tröstet das. Auch so ein Mensch wie Adolf Hitler, der sich möglicherweise mit seinem Selbstmord späterer Rechenschaft entzogen hat, muss sich vor Gott verantworten. Und selbst die Menschen, derer Greueltaten nie gesühnt wurden, müssen vor Gott treten und ihrer Schuld ins Gesicht sehen.



Und ein dritter, wie ich finde, hilfreicher Gedanke.

Wenn Gott der König der Könige ist, wenn Jesus Christus auf dem Thron sitzt, dann sollten wir ihn anbeten und sein Verständnis von Macht aufgreifen und in unserem eigenen Leben umsetzen.

Im Matthäusevangelium lesen wir, wie Jesus mit seinen Jüngern spricht. Er sagt:

Ihr wisst, wie die Herrscher ihre Völker niederhalten und die Mächtigen ihnen Gewalt antun. So soll es nicht sein unter euch, sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der erste sein will, der sei euer Knecht. Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

So lebt Gott seine Macht. Nicht von oben nach unten. Nicht mit Gewalt. Sondern mit Liebe. Im Dienst. Im Füßewaschen. Und wir sollen und wir dürfen die Macht der Mächtigen kritisch begleiten, ob auch sie ihr Amt als Dienst gestalten. Und wir sollen und wir dürfen mit unserem eigenen Lebensstil der Macht der Mächtigen die Macht des Dienstes entgegensetzen.

Mit unserem Diakoniefrühstück, mit unserer Tafel, mit unseren Öffnungszeiten im Jugendzentrum, dienen wir den Menschen und prägen und gestalten unser gesellschaftsliches Miteinander mehr als es große politische Entscheidungen tun können.

Jesus Christus herrscht als König, alles wird im untertänig.

Mit diesem gesungenen Bekenntnis bekommen wir einen nüchternen und realistischen Blick für die scheinbaren Machtverhältnisse in der Welt. Wir bekommen aber auch noch mal eine Idee davon, das Gott von uns erwartet. Ganz konkret hier in unserer Gemeinde, in unserem eigenen privaten Leben. Alle Macht wird an der Liebe gemessen, und die Liebe soll auch unser Motor sein. Amen.



VON: 5. MOSE 10,17 (HARTMUT GÖRLER)





<- Zurück zu: Predigten

Stand:  18.04.2010 21:58