Predigtarchiv

Daumen rauf! Daumen runter!
vom 05.03.14, 16:01    Rubrik: Predigten

Schon als die Tür im Büro aufgeht, weiß Stefanie, dass ihr Chef schlechte Laune hat. Irgendwie hat er sie ruppiger als sonst geöffnet. Und in der Tat. Sie hat sie nicht getäuscht. Kein „Guten Morgen“. Kein „Wie geht’s Ihnen?“. Dafür aber ein „Ich brauche die Akten Müller“ - „Warum ist noch kein Kaffee da!“ „Mensch, ist das hier ein Saftladen“. Und so geht es den ganzen Tag. Und als abends der Mann fragt: „Na, Schatz, wie war dein Tag?“, steht das Urteil schon fest.


(Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach unten!“)


Ganz anders Marvin. Er ist noch glücklich von der Schule. Die Lehrerin hatte sie mit einem Test überrascht. Und Marvin rutschte sofort das Herz in die Hose. Aber letztendlich wusste er, worum es geht. Er kriegte sogar einiges auf´s Papier. Mehr als normalerweise sogar. Zumindest hat er den Test nicht verhauen. Das ist doch schon mal was. „Na, Marvin, wie war´s in der Schule“, fragt ihn seine Mutter.


(Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach oben!“)


Auch Emma ist ganz glücklich. Tim, der gut aussehende Junge aus der Klasse, hat sich in der Pause immer wieder zu ihr gestellt. Sie hat seine Nähe genossen. Und sie hat sich richtig nett mit ihm unterhalten. Und nach der sechsten Stunde hat er auf sie gewartet und ihr ein Zettelchen zugesteckt. Das hat sie schon zum wiederholten Mal gelesen. „Darf ich dich ins Kino einladen?“. Per Whatsapp kriegt Emma von ihrer Freundin eine Nachricht. „Wie bist du drauf?“ schreibt sie. Emma antwortet mit einem Smily und einem …


(Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach oben!“)



An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit


Stefan ist besorgt. Das sieht nicht gut aus mit der Firma. Der Chef hat mit ihnen gesprochen. Es fehlen Aufträge. Und die letzte große Sache ist noch nicht bezahlt. Kurzarbeit. Mehr als 20 Stunden die Woche sind nicht drin. Wie soll er denn damit den Kredit für´s Haus abbezahlen. Als er nach Hause kommt, sagt er nichts. Er macht nur ein Zeichen, nämlich …


(Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach unten!“)


Ich glaube darin sind wir gut. Wir bewerten ganz schnell, ob ein Tag gut war oder schlecht. Wir haben da unsere innere Messlatte, an der sich entscheidet, wie der Tag war. Und wenn wir eher optimistische Menschen sind mit einer positiven Grundeinstellung, dann geht der Daumen häufiger nach oben. Aber wenn wir depressive Züge haben und negativ denken, geht der Daumen häufiger nach unten.


Und doch ist das nicht nur eine Frage von persönlicher Einschätzung. Daumen rauf oder Daumen runter.


Manchmal sind es auch objektiv gesehen ganz miese Tage. Und manchmal scheint es auch so, dass sie einfach nicht enden wollen:


  • wenn eine Krankheit uns abbremst und uns die Möglichkeit nimmt, am Alltag teilzunehmen;


  • wenn ein Streit nicht enden will und die Hoffnung schwindet, dass man wieder zueinander findet;

  • wenn die Erinnerungen an einen verstorbenen Menschen immer noch weh tun, obwohl sein Tod schon eine Weile her ist.

Dann können das richtig ätzende Tage sein. Scheiß-Tage sozusagen.


(Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach unten!“)


Für Zachäus ist das mal wieder so ein Scheiß Tag. Erstens muss er sich bei seinem Zollstand immer wieder diese Beschimpfungen anhören: „Du Geldabschneider! Du Betrüger! Wenn ich dich mal im Dunkeln, dann...“. Und zweitens ist heute einfach nichts los. Keiner will mit seinen Waren raus aus der Stadt. Der Rubel rollt heute einfach nicht an seiner Zollstation. Denn alle wollen diesen Jesus sehen. Das gibt’s doch gar nicht. Und nur aus Langeweile und Neugierde macht er sich auch auf den Weg. Er will sehen, ob und was an diesem Jesus besonders ist. Aber so ein Mist. „Ich sach ja, den Tag kannste in die Tonne kloppen!“ Da sind viele Leute vor ihm auf die Idee gekommen. Er sieht nur Rücken und hört nichts. Was tun? Wie ein kleiner Junge klettert Zachäus auf ein Baum. „Was für ein blöder Tag“, sagt er sich. Ein Tag zum Vergessen. Am besten direkt aus dem Kalender streichen. Aber dann passiert es. Jesus löst sich aus der Menschenmenge. Er geht direkt auf Zachäus zu. Er schaut nach oben, ihm in die Augen und sagt: „Heute muss ich in deinem Haus einkehren“. Zachäus springt vom Baum. Er rennt nach Hause. Er holt noch schnell Getränke. Etwas zu Essen, und empfängt Jesus als seinen Gast. Und nach einem langen Nachmittag mit vielen guten Gesprächen sagt Jesus: „Heute ist diesem Haus ein Heil widerfahren!“


Für Zachäus stand damals schon bald fest, wie er den Tag einzuschätzen hätte. (Ich halte ein Schild hoch mit dem Zeichen „Daumen nach unten!“). Daumen nach unten. Dann aber geschah jenes Wunder. Dann aber geschah das Wunder, dass dieser miese Tag wertvoll wurde. Etwas Besonderes. Völlig unerwartet und überraschend trat Jesus auf ihn zu Er besuchte ihn. Er kehrte in seinem Haus ein, in seinen Alltag, in sein Leben und ließ dadurch diesem einen Tag Heil widerfahren.


Ich glaube und ich bin zutiefst überzeugt davon, dass wir dieses Wunder auch erfahren können. Immer wieder neu. Es mag solche Tage geben, an denen unsere Daumen nach unten gehen. Weil wir mit einer negativen Grundstimmung diesen Tag eher negativ bewerten. Oder weil eine tatsächliche Krise uns nach unten zieht. Und trotzdem haben auch diese Tage ihren Wert und ihre Wichtigkeit. Ich glaube, dass Gott uns gerade an diesen Tagen besucht und bei uns bleibt und dass gerade diese Tage etwas Göttliches haben.

Wir sind nicht allein, wenn wir mit Tränen auf dem Sofa sitzen.

Wir sind nicht allein, wenn uns die alltäglichen Aufgaben aus dem Halse heraus hängten.

Wir sind nicht allein, wenn eine Krankheit uns ans Bett fesselt.

Wir sind nicht allein, wenn uns das ganze Drumherum zu viel wird und wir einfach keinen Bock mehr haben.

Dann tritt Jesus. Gottes Sohn, aus der Reihe heraus. Dann geht er auf uns zu. Dann schaut er uns an. Dann schaut er uns in die Augen. Dann kommt er uns besuchen und schenkt uns seine Nähe.


Heute muss ich in dein Haus einkehren.

Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.


Und auf einmal wird aus meinem Heute eine Begegnung mit Gott. Auf einmal wird mein Scheißtag zu etwas Besonderem. Zu einem Tag mit Gott.


Es kann sein, dass die äußeren Faktoren dieselben sind und bleiben. Es kann sein, dass morgen der Streit mich wieder schlaucht, die Krankheit mich immer noch einschränkt und die Traurigkeit mich wieder einholt. Und doch sind diese miesen Tage dann trotzdem besondere Tage. Tage mit Gott. Tage mit Jesus Christus, seinem Sohn. Tage mit dem Heiligen, Gottes Kraft in mir.


In einem der Psalmen heißt es: Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. Manchmal spreche ich mir das selber zu. Wenn ich einen Tag erlebe, der mir ziemlich auf die Nerven geht, dann lasse ich mich daran erinnern. Auch diesen Tag hat Gott gemacht, und auch diesen Tag hat er mir geschenkt. Jeder Tag ist ein besonderer Tag. Ein Tag von Gott und mit Gott und letztendlich für Gott.


Es gibt keine verlorenen Tag. Es gibt keine sinnlosen Tage. Es gibt keine wertlosen Tage. Auch diese Tage sind Tage mit Gott. In seiner Nähe. In seinen Händen. Und auch wenn wir sagen „Daumen nach unten“, dann streckt zu uns den Daumen nach oben und sagt: ich bin bei dir!


An Tagen wie diesen, wünscht man sich Unendlichkeit
An Tagen wie diesen, haben wir noch ewig Zeit
In dieser Nacht der Nächte, die uns so viel verspricht
Erleben wir das Beste, kein Ende ist in Sicht
Erleben wir das Beste, und kein Ende ist in Sicht
Kein Ende in Sicht.






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Stand:  18.04.2010 21:58