Predigtarchiv

Das größte Glück
vom 11.01.14, 17:16    Rubrik: Predigten

Herr Meier gewinnt 10.000 Euro im Lotto. Was für ein Glück. Aber dann streitet er sich mit seiner Frau, wie sie das Geld verwenden wollen. Glück oder Unglück?


Frau Müller bricht sich beim Sport den Fuß. Was für ein Unglück. Im Krankenhaus lernt sie den Mann kennen, den sie später heiratet. Glück oder Unglück?


Herr Schuster verpasst den Bus und damit das Konzert, auf das er sich so gefreut hat. Was für ein Unglück. Hinterher erfährt er, dass genau dieser Bus einen schweren Verkehrsunfall hatte. Glück oder Unglück?


Frau Schmidt hat vergessen, für den gemeinsamen Abend mit ihrer Tochter groß einzukaufen. Was für ein Unglück. Die Tochter aber überrascht ihre Mutter und bringt ein fertiges Menue mit. Glück oder Unglück?


Stefan bleibt leider mit drei Füßen sitzen. Was für ein Unglück. Aber in der neuen Klasse startet er noch einmal richtig durch und lernt nette Freunde kennen. Glück oder Unglück?


5 kleine Beispiele, die deutlich machen, dass das gar nicht immer so einfach ist, Glück oder Unglück beim Namen zu nennen. Die Grenzen sind manchmal fließend. Und manchmal sind Glück und Unglück die zwei Seiten einer Medaille.


Glück und Unglück.


Wir haben am vergangenen Mittwoch in einer Frauengruppe über diese beiden Begriffe gesprochen und festgestellt, dass Unglück ein zu großes Wort ist. Zu einschneidend. Zu hart. Von daher lasst doch bitte bei dem Wort Unglück die Worte Pech mitschwingen, Niederlagen, Schmerz, Enttäuschung. All das, was unser Leben schwer macht. Und wenn wir das Wort Unglück dann in diesem Sinne deuten, dann

würde ich dann doch behaupten: zu jedem Leben gehören Glück und Unglück. Zu jedem Leben gehören eine Sonnenseite und eine Schattenseite. Zu jedem Leben gehören Sieg und Niederlagen, Freud und Leid.

 

10.000 im Lotto. Einen Partner kennenzulernen. Bewahrung vor einem Unfall. Zum Essen eingeladen zu werden. Noch mal durchstarten zu können. Das kann Glück sein.


Streit. Ein Unfall. Einer verpasster Termin. Vergesslichkeit. Sitzenzubleiben. Das Unglück sein. Aber wie gesagt: Glück und Unglück liegen oft sehr eng beieinander.


Elia, ein Mann Gottes aus dem Alten Testament, der hatte Glück und Unglück in seinem Leben, manchmal sogar innerhalb von einem Moment. Mehr als genug,


Eines Tages kam er auf seiner Wanderschaft zu einer Witwe. Doch was für ein Pech! Sie hätte ihn gerne beherbergt. Aber sie konnte ihm nichts zu essen anbieten. Sie war zu arm. Da waren nur noch ein paar Löffel Öl und ein paar Löffel Mehl in den Krügen. Alles alle. Was für ein Unglück. Dann erlebten die beiden aber ein Wunder. Gott beschenkte nämlich die beiden. Mit jeder Mahlzeit füllten sich beide Krüge wieder auf wunderbare Weise. Glück oder Unglück?


Wenig später kam es zu einem großen Show Down. Elia, der Prophet Gottes, traf auf die Propheten des Gottes Baal. Die machten einen kleinen Wettbewerb. Sie bauten einen Altar. Legten ganz viel Holz drauf, das sie zuvor ganz nass gemacht hatten. Dann legten sie los und beteten. Und die Vereinbarung war: derjenige, der seinen Gott als erster dazu bewegt, Feuer vom Himmel zu schicken und diesen nassen Haufen zum Brennen zu bringen, hat gewonnen.

Die Baalsproheten legten los. Sie beteten wie verrückt. Irgendwann schrien sie vor Anstrengung und Aufregung.

Sie tanzten um den Altar, bis sie erschöpft zusammenbrachen. Aber nichts passierte.


Dann kniete sich Elia nieder und betete zu dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, zu dem Vater Jesu Christi. Da öffnete sich der Himmel und Feuer fiel herab und entzündete das nasse Etwas. Was für ein Glück! Aber die Königin der Baalspropheten ärgerte sich über diesen Erfolg und drohte dem Elia, ihn zu verfolgen und ihn umzubringen. Glück oder Unglück?


Elia floh. Er hatte Angst, erwischt zu werden. Er versteckte sich am Tag und rannte die dunkle Nacht. Schließlich und endlich erreichte er den Berg Horeb und fand eine Höhle. Glück oder Unglück? Genau das fragte sich Elia. Wie soll es jetzt weitergehen? Wohin soll er gehen? Und was soll er tun? Er empfand seine Situation als großes Unglück.


Als er aber aus seiner Höhle trat, wehte ein sanfter Wind. Und Elia wusste sofort. Das ist Gott. Er berührt mich. Mitten in meinem Leid. Mitten in meinem Unglück. Ich bin gar nicht allein. Gott ist hier. Er hat mein Unglück gesehen.


Was ist eigentlich Glück?

Glück ist, wenn morgens das Auto anspringt, sagt einer.

Glück ist, wenn der Tannenbaum nicht vor dem 6. Januar anfängt zu rieseln, sagt eine andere.

Glück sagt mein Kollege ist, wenn auf der Pizza keine Tomaten drauf sind.


Ist das Glück? Ja, auch das ist Glück. Wenn auch sehr oberflächlich.


Aber da gibt es auch Glück, das nicht nur an der Oberfläche liegt, sondern uns ganz tief in uns drinnen glücklich macht.


Elia hat das erfahren dürfen: sein größtes Glück war es, nicht alleine zu sein. Sein größtes Glück war es, Gott an seiner Seite zu haben, im Glück und im Unglück. Immer. Egal was passiert.


Gott nahe zu sein, ist mein Glück. Das waren die Worte eines unbekannten Beters. Das hätten auch die Worte des Elis sein können. Gott nah zu sein, ist mein Glück.


Das galt damals. Und das gilt noch heute.

Ich habe viel Glück in meinem Leben.

Ich bin verheiratet. Ich habe vier Kinder. Ich habe Geschwister, mit denen ich mich verstehe. Meine Mutter lebt noch. Ich habe viel Glück. Ich habe Freunde, die mich begleiten. Ich habe eine supertolle Arbeitsstelle. Ich darf in diesem Jahr die Jugendfreizeit nach Finnland leiten. Ich habe viel Glück.

Aber ich weiß, dass dieses Glück auch schnell zerbrechen kann. Auf einmal kann ich Glück in Unglück wenden. So ist das Leben.


Aber egal was passiert in meinem Leben, Gott bleibt mir treu. Ich kann vor Freude unter die Decke springen, Gott ist da. Ich kann zu Tode betrübt sein. Gott ist da. Ich kann vor Kraft strotzen. Gott ist da. Und ich kann kraftlos in der Ecke hocken. Gott ist da. Es ist mein größtes Glück in meinem Leben, dass Gott mir nahe ist und dass ich ihm nahe bleibe, egal was ich denke und fühle. Und wenn ich selbst eines Tages sterben sollte, auch dann ist mir Gott nahe. Was für ein Glück! Und dieses Glück ist letztendlich größer als alles Unglück, das mir passieren könnte.


Amen.






Verse aus Psalm 73

I: Gott ist gut zu seinem Volk,

zu allen, die ihm ganz vertrauen.

Das kann niemand bestreiten!

II: Ich aber hätte beinahe an ihm gezweifelt,

fast hätte ich den Glauben aufgegeben.

I: Denn ich beneidete

die überheblichen Menschen:

Ihnen geht es gut,

obwohl Gott ihnen völlig gleichgültig ist.

II: Sie müssen sich nicht abplagen

wie andere Menschen,

und die täglichen Sorgen

sind ihnen ganz und gar fremd.

I: Selbstsicher und sorglos

leben sie in den Tag hinein,

ihr Vermögen und ihre Macht

werden immer größer.

II: Diese eingebildeten Leute sagen:

"Gott kümmert sich um nichts -

wie sollte er auch? Er thront so weit oben

und weiß nicht, was sich hier unten abspielt!"

I: War es denn völlig umsonst,

dass ich mir ein reines Gewissen bewahrte

und mir nie etwas zuschulden kommen ließ?

II: Ich versuchte zu begreifen,

warum es dem Gottlosen gut

und dem Frommen schlecht geht,

aber es war viel zu schwer für mich.

I: Da ging ich in Gottes heiligen Tempel,

und dort wurde mir auf einmal klar:

entscheidend ist, wie ihr Leben endet!

II: Wie ein Traum

beim Erwachen verschwindet,

so vergehen sie,

wenn du dich erhebst, o Herr.

I: Als ich verbittert war

und mich vor Kummer verzehrte,

da war ich dumm wie ein Stück Vieh,

denn ich verstand dich nicht.

II: Jetzt aber bleibe ich immer bei dir,

und du hältst mich bei der Hand.

Alle: Dir nahezu sein, mein Herr und Gott;

das ist mein ganzes Glück!

Dir vertraue ich,

deine wunderbaren Taten

will ich weitererzählen.


VON: PSALM 73,28 (HARTMUT GÖRLER)





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Stand:  18.04.2010 21:58