Predigtarchiv

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein - sondern ?
vom 13.10.13, 19:03    Rubrik: Predigten

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...


Das war zumindest die Beobachtung unserer Gäste aus Tansania.

Ihr esst morgens Brot, sagten sie,

vormittags gibt’s ein Schulbrot.

Mittags esst ihr Brot,

und abends, da esst ihr auch Brot.


Nun gut, wir alle kämen wohl zu dem Schluss, dass das sowieso nicht stimmt. Natürlich essen wir noch andere Sachen als nur Brot, aber aus der Sicht unserer Gäste aus Tansania...


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein...


Und dann kommt noch dazu, dass dieses Bibelwort in eine ganz andere Richtung geht und nicht über Brot oder Salami oder Nutella philosophiert. Ich will das mal an einem Beispiel deutlich machen.


Kaum ist Tom wach, der Name ist übrigens frei erfunden, kaum ist er wach, holt er sein Smartphone raus. Er muss nur noch ganz schnell sein Spiel aufrufen. Minecraft. Das ist sein Ein und Alles. Steine setzen, Wege legen, Häuser. „Tom, wo bleibst du?“, hört er schon aus der Küche. Er muss doch nur mal eben...

Auch im Schulbus holt er schnell noch mal sein Handy hervor. Diese verflixte Stadt, die muss er doch noch fertig kriegen. Und wenn er die hat, dann kann er mit dem Tunnel anfangen. Und wenn der Tunnel fertig ist, dann ...

In der Schule ist er unruhig. Hoffentlich ist bald Pause. Dann kann er... Nachmittags dasselbe Spiel. Das Telefon klingelt. „Hey, Tom, was geht ab? Kommste rüber? Wir wollten doch Fußball spielen!“ Aber Tom wiegelt ab „Das geht grad nicht. Er baut doch gerade die Brücke!“. Die Scheibe Brot am Abend isst er vor dem PC. Später gehen seine Eltern ins Kino. „Willst du mit?“. Tom fragt gar nicht nach dem Film. Auch diesmal winkt er ab. „Nein, nein, keine Zeit. Hab was Wichtigeres zu tun?“


Diese Geschichte klingt schon fast wie jenes Lied:


Muss nur noch kurz die Welt retten, danach flieg ich zu dir.
Noch 148 Mails checken wer weiß was mir dann noch passiert denn es passiert so viel Muss nur noch kurz die Welt retten und gleich danach bin ich wieder bei dir.


„Na endlich“, werden einige Erwachsene, einige Väter und Mütter nun denken, „endlich bläst der Görler mal unseren Kindern den Marsch. Endlich hält er ihnen entlarvend den Spiegel. Computer, immer nur Computer! Und dann noch dieses blöde Minecraft!“


Aber - wenn wir Erwachsenen ehrlich sind - dann haben auch unsere Dinge, die auf unserer inneren Skala ganz oben stehen


Der eine lässt für seine Arbeit alles stehen und liegen.

Der andere vergisst die Welt um sich herum, nur um gesund zu sein.

Ein dritter schaut immer nur danach, ob er auch beliebt ist.

Eine vierte gibt ein Vermögen aus, um schön zu sein.

Ein fünfter ist darauf fixiert, was er gerade denkt, was er gerade fühlt, was er gerade benötigt.

Und so weiter, und so weiter.


So ist das. Wir Menschen haben eine innere Liste von dem, was uns im Leben wichtig ist. Von eins bis Hundert oder noch mehr. Es gibt Dinge, die sind uns furchtbar wichtig, und andere vernachlässigen wir, obwohl sie vielleicht auch wichtig wären.


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.



„Halt“, sagt die Bibel mit diesem Wort. „Halt!

Bleib doch mal stehen.

Halt doch mal inne.

Mach doch mal ne Pause.

Nutz doch einfach mal die Gelegenheit, dir genau das bewusst zu machen, was dir in deinem Leben wichtig ist.

Schreib doch einfach mal auf, was in deinem Leben gedanklich ganz oben steht und was eher so eine Randerscheinung ist.

Bring doch einfach einfach mal deine verschiedenen Lebensbereiche in eine Rangliste: Freunde oder Freundin, BVB, Computer, facebook, Schule, Familie. Schreib´s doch einfach mal ehrlich auf und überlege dir, ob diese Hitliste angemessen ist und was vielleicht fehlt.


Das ist der erste Schritt. Der zweite folgt sogleich:


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt.


Deine Arbeit ist dir vielleicht dies Brot, das was dir wichtigsten ist.

Deine Anerkennung.

Deine Gesundheit.

Dein Erfolg.


Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

Dein Arbeit,

deine Anerkennung,

dein Computer,

dein Hobby,

dein BVB

sind nicht das einzige im Leben. Ganz im Gegenteil. Weil ihr immer nur in diese Richtung schaut, seht ihr nicht, dass es noch ganz andere Dinge gibt, die für euch und für euer Leben wichtig sind.


Ich bin das Brot des Lebens. Ich bin das wahre Brot. Ich mache wirklich satt, sagt Jesus.


Der Glaube an Jesus Christus ist eine Dimension, die dein Leben in besonderer Weise reich macht. Reicher als Geld. Reicher als alle Anerkennung. Reicher als deine vermeintliche Gesundheit.


Jesus hat einmal versucht, den Inhalt des Glaubens in einen Satz zusammenzufassen:


Du sollst Gott lieben, den Menschen lieben, mit dem du zu tun hast, und dich selbst lieben.


Kurz und knackig. Und mit dieser Blick hilft uns, ein rechtes Maß zu finden bei den Sachen, die uns unheimlich sind.


Ich will das noch mal an Tom deutlich machen:

Stunde um Stunde sitzt er nun schon vor dem Computer. Diesmal aber lässt ihn jener Satz aus der Bibel nicht los. Du sollst Gott lieben, den Nächsten lieben, dich selbst lieben. Und er erkennt: er vernachlässigt nicht nur seine Freunde und seine Eltern, sondern schadet auch seinem Körper.


Oder jener Workoholic. Du sollst Gott lieben, den Nächsten lieben, dich selbst lieben. Raube ich vielleicht meiner Familie Zeit, wenn ich immer nur arbeite? Oder gibt es Zeit, die ich Gott vorenthalte, und mit der ich anderes tun sollte?


Ach ich weiß, das ist schwierig. Aber wenn wir heute diesen einen Satz aus dem Gottesdienst nehmen, nämlich „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, und wenn wir diesen Satz uns selber selbstkritisch aufsagen, dann haben wir schon viel gewonnen.




Denn erstens: das, was in unserem Leben als das wichtigste erscheint – Minecraft, Arbeit, Gesundheit – ist in aller Regel in aller Regel kein Lebensbrot. Vielleicht Desserts.

Und zweitens bietet sich Jesus Christus Brot des Lebens an. Der Glaube an ihn kann für alle Bereiche in unserer inneren Rangliste ein hilfreicher und gesunder Maßstab sein.

Tue ich selber etwas Gutes damit?

Vergesse ich mit meiner Leiderschaft die anderen?

Und was ist Gott? Räume ich ihm ein, ein Wörtchen mitzureden?


Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern auch von einem jedem Worte, das aus dem Munde Gottes kommt.


VON: 5. MOSE 8,3 (HARTMUT GÖRLER)





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Stand:  18.04.2010 21:58