Predigtarchiv

Wie Brüder halt so sind
vom 07.09.13, 15:04    Rubrik: Predigten

Mensch Hartmut, wir beide könnten fast Brüder sein.

(Hartmut irritiert und ironisch)
Ja, genau. Ich meine, Du hast blaue Augen, ich hab braune Augen, Du bist groß, ich bin… fast groß,…

Ja eben. Brüder können so verschieden sein. Ich kenne zum Beispiel zwei Brüder. Der eine ist Krawattenträger, der andere läuft rum wie Jesus.

Ja, oder denk mal an die beiden schrägen Vögel. Weiß du noch?

Hä? Welche schrägen Vögel?

Na Bernhard Vogel und Hans-Jochen Vogel. Der eine war in der CDU und der andere in der SPD.


Wie? Das geht auch? Sachen gibt’s.

Die zwei Brüder in der Geschichte von heute sind auch schräge Vögel.

Da hast du Recht. Der eine ist ein Nesthocker. Der andere ein Nestflüchter. Der eine muss raus in die weite Welt. Der andere ist lieber zu Hause. Der eine ist ein Draufgänger, ein Abenteurer, ein Weltbürger. Der andere liebt seine Sicherheiten. Alles muss am besten so bleiben wie es ist. Und was ist besser?

Was ist das denn für eine dumme Frage. Jeder ist so wie er ist. Gott uns verschieden gemacht. Und das ist gut so.

Ist ja gut. Aber wie findste denn den jungen Mann, der sich sein Erbe auszahlen lässt, um die weite Welt zu entdecken.

Ehrlich gesagt, den find ich cool. Das ist doch toll, wenn man ausbrechen kann, auf eigenen Füßen steht, interessante Städte kennenlernt, neue Freunde findet.

Dem steht die Welt offen wie den Jugendlichen, die sich heute zum Konfi anmelden.

Da hast du Recht. Jugendlich sein ist ein super Lebensphase. Ich lege so allmählich das Kindsein ab. Ich löse mich so allmählich von zu Hause. Ich entdecke, dass mein Körper viel spannender ist als ich vorher dachte.

Ja, und auch das andere Geschlecht ist plötzlich viel spannender als man dachte.

Ich suche mir neue Freunde. Lerne ihre Interessen, ihre Leidenschaft, ihre Musik kennen. Ich darf mich ausprobieren und manchmal auch über meine Schranken hinaus gehen.

Jugendlich sein ist schon cool. Da hast Du die vielen Möglichkeiten des Lebens noch vor dir.

Und der andere Sohn. Was hälst du von dem?

Auch der ist irgendwie beneidenswert. Der reißt zwar nicht die großen Dinge, aber er ist zuverlässig. Auf den kann man sich verlassen. Er ist heimatverbunden. Er übernimmt Verantwortung für seinen Vater. Er ist fleißig, ist ein guter Arbeiter.

Aber als dann sein Bruder wieder nach Hause kam, war er ganz schön stinkig. Vielleicht sogar neidisch und ungerecht. Oder was meinst du?

Ja, aber ich glaube, jeder hat seien Macken. Es gibt nicht den perfekten Menschen. Wir haben Stärken und Schwächen. Jeder von uns. Und wir sollten ja nicht meinen: ich bin besser; ich bin mehr wert; ich habe mehr Stärken als der andere oder weniger Macken als der andere. Nein, nein, nein. Jeder Mensch hat seine Stärken und seine Schwächen und das ist gut so.

Der coolsten von den dreien ist sowieso der Vater.

Wieso das denn?

Der liebt seine Söhne, beide, so wie sie sind. Der wartet auf den, der ihm den Rücken zugekehrt hat und wertschätzt den, der bei ihm bleibt. Dieser Vater ist ein guter Vater.

Und die Geschichte steht nicht nicht umsonst in der bibel. Diese Geschichte redet von Gott. So wie dieser Vater ist Gott.

Das heißt: Gott mag uns, wertschätzt uns, liebt uns, so unterschiedlich wir auch sind. Er mag die Draufgängertypen, die, die auch mal über die Stränge schlagen, die, die vieles wagen und vieles verlieren. Die, die aufbrechen und fünfe grade sein lassen.

Und Gott liebt auch die, die ganz solide sind, die keinen Ärger machen, bei denen alles rund läuft, deren Leben in Ordnung ist. Du, das ist eigentlich ganz tröstlich für die Jugendlichen, die heute zum Konfi kommen.

Das sehe ich auch so: es kann sein, dass sie schon bald feststellen: Glaube ist nichts für mich. Dann brauchen sie keine Sorgen haben. Gott bleibt an ihrer Seite.

Selbst wenn sie den Konfiunterricht schmeißen sollten, dürfen sie darauf vertrauen, dass Gott sie nicht wegschmeißt. Aber vielleicht machen Sie auch sehr gute Erfahrungen mit Kirche und Glaube.

Um so besser. Dann hören sie nicht nur vom liebenden Vater. Dann erleben sie ihn vielleicht auch. Übrigens, dieser Gott ist auch eine gute Nachricht für die Erwachsenen.

Ganz bestimmt. Aber wie genau meinst Du das genau?



Na, bei denen gilt doch dasselbe wir für die beiden Brüder. Auch unter den Konfirmandeneltern sind welche dabei, die sich schon längst von Gott entfernt haben. Oder aber welche, die treu am Glauben festgehalten haben. Für beide gilt: Gott wartet. Aus Liebe. Geduldig. Amen.


VON: LUKAS 15,11FF (GÖRLER/PAASCH)





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Stand:  18.04.2010 21:58