Predigtarchiv

Perlen in meiner Hand
vom 23.07.13, 18:18    Rubrik: Predigten
Was soll ich denn da mit? Eine Perle in meiner Hand. Na, hoffentlich verlier ich die nicht. Wo ich die wohl hinstecke? In die Hosentasche? Oder besser in die Handtasche? Oder doch lieber ins Portemonnaie? Ach, die lass ich ich gleich einfach in der Bank liegen. Und was soll ich damit überhaupt? Ich weiß gar nicht, was ich damit machen soll. Ich könnte sie aber auch verschenken. Ob die wohl wertvoll ist, diese Perle? Oder ist die nur aus Glas? Ich habe lange keine Perle in meiner Hand gehabt. Ob ich die wohl behalten darf? Oder muss ich die wieder abgeben? So klein. So unscheinbar, diese Perle. Und doch denke ich darüber nach. Eine kleine Zusammenstellung von möglichen Gedanken, die Ihnen vielleicht spontan in den Sinn gekommen sind.  Eine Perle in meiner Hand.  So eine Perle ist auf der einen Seite etwas ganz Normales. Auf der anderen Seite aber auch – vor allem in diesem Moment – etwas ganz Besonderes, vielleicht sogar etwas Fremdes.  Eine Perle in meiner Hand. Die Bibel sagt: Das Himmelreich, Gottes Welt hier auf Erden, ist so etwas wie eine Perle.  Komisch, dieser Vergleich, und zugleich schade. Ich wünsche mir doch einen Gott, der groß und stark ist, der meine Sorgen vertreibt und meine Verletzungen heilt. Ich wünsche mir doch einen Gott, der endlich mal auf den Tisch haut und für Recht und Ordnung sorgt in dieser Welt und in meinem Leben. Ich wünsche mir einen Gott, der sich mir in den Weg stellt und der sich mir zweifelsfrei zu erkennen gibt. Ich wünsche mir doch einen Gott, der so stark ist wie ein Baum, damit ich mich an ihn anlehnen kann. Solch einen Gott wünsche ich mir. Unübersehbar. Groß. Mächtig.  Jesus aber spricht von einer Perle. Von einem klitzekleinen Etwas, von einer Kleinigkeit, die ich leicht verlieren kann. So -  ist Gott in deinem Leben, sagt Jesus.  Wie eine kleine Perle.   Vielleicht sind wir in der Tat viel zu oft festgelegt mit unseren Erwartungen Gott gegenüber. Vielleicht suchen wir nach einem ganz bestimmten Gott, nach dem Gott, der unseren Vorstellungen entspricht – und finden ihn nicht, weil er ganz anders in unserem Leben wirkt.  Klein. Fast zu übersehen. Verborgen. Zärtlich. Leicht zu verlieren. Wie eine Perle in unserer Hand.  Eines Tages brachten vier Männer ihren gelähmten Freund zu Jesus. Sie wollten, dass er ihn heilen würde. Weil das Haus schon übervoll war, kletterten sie mit ihm auf´s Dach. Dort schoben sie ein paar Dachplatten zur Seite und ließen ihren Freund in einer Matte hinunter zu Jesus. Der sagte: Deine Sünden sind dir vergeben! Die Freunde wunderten sich: Deine Sünden sind dir vergeben? Nein Jesus, du sollst ihn heilen. Du sollst zeigen, wie mächtig du bist. Von Schuld haben wir nicht gesprochen. Du sollst seine Lähmung vertreiben und ihn das Laufen schenken. Wie eine Perle in unserer Hand.  Manchmal legt Gott ganz andere Schätze in unser Leben hinein als vorher gedacht. Manchmal erhört er unsere Gebete ganz anders von uns berechnet. Manchmal sind es gerade die Kleinigkeiten, die ganz groß rauskommen, wenn wir sie entdecken.  Nicht, dass ihr mich falsch versteht: ich bin zutiefst davon überzeugt: Gott kann auch heute noch große Wunder geschehen lassen. Ich kenne Menschen, die das von sich erzählen können. Ich kenne Menschen, die waren ernsthaft krank und wurden geheilt, ohne dass die Ärzte wussten, wie das geschehen konnte. Ich kenne Leute, die haben doch noch Kinder bekommen, obwohl das nach menschlichem Ermessen nicht möglich war.  Doch, doch, Gott kann auch heute große Wunder tun, in Ihrem Leben,  in meinem Leben, in unserer Gemeinde,  aber das ist nicht die Regel. Das Normale ist, dass Gott ganz kleine Schätze in unser Leben legt, Perlen, die leicht zu übersehen sind.  Wie hieß es noch mal in der biblischen Lesung von eben? Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Kaufmann, der auf der Suche nach kostbaren Perlen ist. Er entdeckt eine Perle von unschätzbarem Wert. Er verkauft alles, was er hat, nur um diese eine Perle zu bekommen.  Perlen.  Sie sind manchmal klein, ein Nichts in meiner Hand.  Sie sind oft leicht vom Gewicht und leicht zu übersehen.  Sie sind manchmal sogar durchsichtig, unscheinbar. Ihr eigentlicher Wert ist oft auf den ersten Blick gar nicht festzustellen. Und Gott, er legt ganz viele Perlen in unser Leben.  Weil wir so hektisch sind, so oberflächlich, so festgelegt,  übersehen wir sie gerne. Dabei sind sie doch da, diese Perlen, diese Schätze aus Gottes Hand. Diese Reichtümer, klein aber fein.  Dass ich morgens früh aufstehen darf, dass ich meine Beine spüre, die mich tragen. Das ist eine Perle Gottes.  Das eigene Dach über dem Kopf. Die Heizung, die jeden Morgen wieder neu anspringt. Die Wohnung, in der ich zu Hause bin. Wahrlich eine Perle in meinem Leben. Ein Schatz mit einem, unglaublichen Wert.  Trinkwasser zu haben, höchster Qualität, zum Zähneputzen und sogar zum Klospülen, ist ein unglaublicher Schatz. In Tansania hätten wir an keinem Ort so sauberes Wasser gefunden wie wir hier in Fröndenberg haben.  Die Scheibe Brot, die Tasse Kaffee, die Marmelade. Weitere klitzekleine Perlen in unserem Leben. Freunde in der Schule. Am Arbeitsplatz Kolleginnen und Kollegen, die solidarisch sind, ein Chef, der Verständnis hat. Eine Familie, die zusammenhält. Eine Riesenperle.  Ein wertvolles Geschenk aus Gottes Hand.  Es gibt viele, zahllose, endlos viele Perlen in unserem Leben, Perlen, die Gott höchstpersönlich in unseren Alltag legt. Aber eben oft klein und unscheinbar, im Verborgenen, erst auf den zweiten Blick erkennbar. Es gibt ihn, den Himmel auf Erden, aber in der Regel in kleinen Portionen. Und wir, wir müssen immer wieder neu lernen, für diese Schätze in unserem Leben einen Blick zu entwickeln. Wir müssen lernen, genau hinzuschauen und bereit sein, uns überraschen zu lassen.  Aber Sie können hier und jetzt schon anfangen. Lassen Sie doch bei der Orgelmusik ihre Gedanken schweifen und benennen Sie, nur für sich, Gottes schöne Perlen in Ihrem Leben. ORGELMUSIK Und doch. Das Gleichnis Jesu haben wir damit noch nicht erschöpfend behandelt.  Das Himmelreich, Gottes Welt hier auf Erden, ist so etwas wie eine Perle. Jesus versteckt aber noch eine andere Dimension in seinem kleinen Gleichnis, wenn er sagt: Die neue Welt ist wie ein Kaufmann, der schöne Perlen sucht. Wenn er eine entdeckt, die besonders wertvoll ist, verkauft er alles, was er hat, und kauft sie.  Das angemessene Verhalten, Gott gegenüber, ist das Suchen.  Neugierig sein.  Gespannt sein auf das, was Er in unser Leben hineingelegt hat.  Nur der stößt auf Gottes Perlen, der bewusst die Augen aufmacht, der die Sinne auf Empfang stellt und damit rechnet, dass Gott etwas Unerwartetes tut. Wenn wir vorher schon wissen, was hinterher rauskommt, legen wir uns Scheuklappen an, die unseren Blick einschränken. Unvoreingenommen sein, wie Kinder. Mit offenen Händen Gott gegenüber treten. Fragend. Suchend. Dann berühren sich Himmel und Erde. Dann öffnet sich ein Fenster zu Gottes neuer Welt.  Das ist die eine angemessene Haltung Gottes Wirken gegenüber.  Jesus ergänzt noch eine zweite, eine noch viel schwierigere. Jener Kaufmann, er kauft die schöne Perle, die er gefunden hat und verkauft dafür alles, was er hat. Wer Gottes Perlen in seinem Leben entdeckt, darf und soll und kann sich dann auch von anderen Dingen verabschieden. Ganz offensichtlich können wir diese Perlen neben all den anderen Schätzen unseres Lebens nicht anhäufen. Wenn Gottes Schätze in unserem Leben einen Platz finden sollen, muss anderes weichen.  Ich erinnere mich an unseren Freiluftgottesdienst zwischen den Müllfahrzeugen. Räumt euer Leben auf. Entrümpelt es. Schmeißt alles raus, was ihr nicht braucht, damit Gott wieder neu Platz darin findet. Was steht in unserem Leben Gott im Weg? Was nimmt zu viel Platz ein? Was ist ein unguter Zeitfresser? Computerspiele? Streit? Sorgen? Falsche Erwartungen und Hoffnungen? Jener Kaufmann verkauft sein Eigentum, damit er sich an jener einen Perle erfreuen kann. Das Himmelreich gleicht einer Perle. Und diese Perlen fallen uns auf,  wenn wir uns danach erwartungsvoll auf die Suche machen. Wenn wir bereit sind, uns überraschen zu lassen. Wenn wir in der Begegnung mit dem Reich Gottes unser Leben neu ordnen.  Von daher: Augen auf! Die Perlen liegen bereits in eurem Leben. Sucht sie und ihr werdet sie finden. Aber seid bereit, etwas anderes zu finden als ihr zu suchen meint. Amen. 

VON: MATTHÄUS 13,45F (HARTMUT GÖRLER)





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Stand:  18.04.2010 21:58