Predigtarchiv

Mal kräftig ausmisten und aufräumen
vom 12.07.13, 11:49    Rubrik: Predigten

Das ist schon eine komische Nummer: einen Gottesdienst zwischen Müllfahrzeugen zu feiern. Da müssen wir ja glatt aufpassen, dass unsere ganze Deko nicht als Sperrmüll abgefahren wird.

Wobei, so ein Sperrmülltermin der hat ja manchmal seinen Sinn. Der schafft manchmal richtig Luft im Keller oder auf dem Dachboden. Was sich da alles wiederfindet, wenn wir mal ordentlich aufräumen und ausmisten:

vielleicht ein Tonbandgerät, vor dem die jungen Leute von heute schreiend weglaufen würden,

oder ein großes Schwarzweißfernsehgerät, so riesig wie ein Kühlschrank

oder ein Fahr. Ihr wisst nicht, was ein Fahr ist? Ein Fahr ist ein Fahrrad ohne Räder.

Also, wie dem auch sei, ein Sperrmülltermin schafft Platz und räumt.


(P steht vor einem Tisch voller Unordnung).

Ach, mein Schreibtisch bräuchte auch mal einen Sperrmülltermin. Die liegen ja Sachen drauf, die müsste ich wirklich mal abheften und aussortieren. Das könnte ich wegschmeißen. Und das auch. Ach das Buch hier, das könnte ich mal wieder ins Regal stellen. Ach, das ist ja meine Bibel. Die habe ich aber lange nicht gesehen. Aber, wohin könnte ich denn mal...? Ist ja alles voll! Nee, da ist kein Platz im Regal. Oder sollte ich vielleicht....? Nein, ich lass mal die alte Ordnung lieber bestehen. Jetzt was rausnehmen, dann weiß ich nicht, wohin mit dem Ganzen. Oder sollte ich vielleicht doch einen Ordner rausnehmen und den dann wegschmeißen? Manchmal muss ich halt ausmisten, um für anderes, für Neues oder Altes, wieder einen Platz zu schaffen.




Eine kleine Schreibtischszene. Ein kleiner Sperrmülltermin zwischen Locher und Notizblock.

Denn darüber will uns der heutige Gottesdienst zum Nachdenken bringen.

Wir können unsere Keller aufräumen und ausmisten.

Wir können und sollten unsere Schreibtische entrümpeln und aufräumen.

Und wir können auch in unserem Leben, immer wieder neu, aufräumen und ausmisten, um Platz zu schaffen für Gott, für sein Wort, für seine Vorstellungen für unser Leben.


Denn manchmal, manchmal schleichen sich richtige Zeitfresser in unser Leben und wir bewahren sie, wie selbstverständlich, in dem Regal unseres Lebens auf.


Da sind zum Beispiele endlose Computerspiele. Die halten uns manchmal hinter dem Computer gefangen, und wir verschwenden kostbare Zeit.


Oder da sind die berühmten Fernsehserien, die menschliche Kontakte ausbremsen können. Wehe, wenn du sonntagabends anrufst. Dann gehe ich nicht ans Telefon. Da gucke ich mir Tatort an. Eine solche Drohung kennt ihr vermutlich auch.


Oder die Arbeit. Wir arbeiten wie blöde. Selbstverständlich 50, 60, 70 Stunden, weil wir meinen, das müsste so sein, und die Familie zu Hause guckt in die Röhre.


Oder Streit. Was verbringen wir sinnlose Zeit mit sinnlosem Streit.Zeit, die wir viel besser nutzen könnten.


Nicht dass ihr mich falsch versteht. Ich bin nicht gegen Computerspiele. Auch nicht gegen Tatort. Ich finde, dass auch manchmal Überstunden notwendig sind und dass es auch Streit gibt, der konstruktiv ist. Aber die vier Aspekte sind vier Beispiele, die uns zum Nachdenken bringen sollen, was eigentlich in unserem Leben überflüssig ist, was unser Leben vermüllt und was eigentlich aus unserem Lebensregal mal herausgeholt werden sollte. Vier Aspekte, die uns zeigen, dass auf einmal neuer Platz da ist, wenn wir unser Lebensregal mal aufräumen.


Platz für neue Sachen.

Platz für neue Aufgaben und Herausforderungen.

Platz für Gott, für sein Wort, für seine Ideen vom Leben.


Im Römerbrief hat Paulus auch darüber nachgedacht, was wir Menschen aus unserem Lebensregal herausnehmen können und was wir hinnehmen sollten. Ich habe mal versucht, seine Sätze aus dem 13. Kapitel so umzuschreiben, dass sie in die heutige Situation passen:


Gott kommt. Er steht vor eurer Tür. Er will mit euch zu tun haben. Er spricht euch an. Sein Licht scheint in eurem Leben hell. Deswegen schmeißt alles raus, was euer Leben dunkel macht. Macht Platz, räumt auf: Gott will neu beginnen. Hört auf mit euren grenzenlosen Ausschweifungen. Werft eure Streitereien in die Tonne. Legt eure Rivalitäten zur Seite. Entrümpelt euer gedankenloses Leben. Macht Platz für Jesus Christus, für seine Liebe, für die Kraft der Vergebung. Für die Hoffnung, die er uns vorlebt. Räumt euer Leben auf und gebt Christus mehr Platz in euren Entscheidungen. Dann, dann zieht das Licht in euer Leben ein.


Das ist mal eine Zusage. Schafft Platz in eurem Leben, damit Gottes Licht einziehen kann.


Viele Menschen haben uns das vorgemacht, wie das geht, Gott mehr Platz einzuräumen. Die Bibel erzählt zum Beispiel von Zachäus. Der war geldgierig, wollte immer reicher werden. Und dieses Ziel hat in seinem Leben viel Platz eingenommen. Dann lernte er Jesus kennen. Auf einmal holte er den Ordner „Geldgier“ aus seinem Lebensregal heraus und stellte den Ordner „Menschenfreundlichkeit“ hinein. Er nutzte fortan das Geld, das er hatte, nicht mehr nur für sich, sondern setzte es für arme Menschen ein.


In Tansania lernten wir Dr. Meyer kennen, einen pensioierten Arzt. Er hätte regelmäßig in den Urlaub fliegen können. Geld hatte er genug. Aber er nahm den Ordner „Ruhige Rentenjahre“ aus seinem Regal und flog Jahr für Jahr für einige Monate nach Tansania, um in Ndolage im Krankenhaus zu arbeiten.


Oder ein Konfirmierter. Der hat beschlossen, mitzumachen in der Gemeinde und den Jugendleiterschein zu machen. Der hat seinen Ordner „Mit Freunden abhängen“ rausgenommen und den Ordner „Mitarbeiterschulung“ reingestellt.


Macht Platz, räumt auf. Gott will neu beginnen.


Die Frage ist: was steht unserem Gott im Weg? Welches Gerümpel versperrt ihm den Zugang? Diese Frage kann ich euch nicht beantworten. Aber ich kann euch diese Frage stellen, damit ihr sie für euch beantwortet. Und ich muss diese Frage auch mir selber stellen, weil die Bibel mir die Frage stellt. Gott kommt. Er steht vor deiner Tür. Schmeißt all das raus, für euch nicht gut ist und macht Platz für sein Licht. Amen.


LESUNG

Macht Platz, räumt auf! Gott will neu beginnen.

Macht Platz, räumt auf! Gott fängt neu mit uns an.


Warum werden Fehler nicht ehrlich bekannt?

Warum wird die Schuld nicht beim Namen genannt?

Nur da beginnt Gott, wo aufgeräumt wird. Gott beginnt neu.


Warum hat das Alte einen heiligen Schein?

Soll Gottes Geist nicht der Wegweiser sein?

Nur da beginnt Gott, wo aufgeräumt wird. Gott beginnt neu.


Warum werden Zweifel nicht offen gesagt?

Warum wird bei Fragen nicht ehrlich gefragt?

Nur da beginnt Gott, wo aufgeräumt wird. Gott beginnt neu.

Macht Platz, räumt auf! Gott will neu beginnen.

Macht Platz, räumt auf! Gott fängt neu mit uns an.








VON: RÖMER 13,11FF (HARTMUT GÖRLER)





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Stand:  18.04.2010 21:58