Predigtarchiv

Salz in der Suppe
vom 08.06.13, 13:17    Rubrik: Predigten

Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.


So, dann will ich mal. Erst mal eine ordentliche Schürze umbinden, damit ich mich nicht bekleckere. Und eine Kochmütze auf. Ja, ja, auch bei der Kirche gelten Hygienestandards. Hinterher kommt mir noch das Gesundheitsamt ins Haus. So, das wäre geschafft. Dann will ich mal loslegen und eine ordentliche Suppe kochen.

Was nehme ich denn mal?

Vielleicht Möhren. Ich schäl mir mal welche.

Vielleicht etwas Lauch. Lauch kann auch nicht schaden. Die vornehmeren von uns sagen auch Porree dazu.

Dazu etwas etwas Salami, schön klein gewürfelt.

Und Nudeln.

Muss heute mal schnell gehen.

Die Nudeln brauchen noch ein bisschen. Aber ich kann ja schon mal abschmecken.

Pfui. Das schmeckt ja nach gar nichts.

Irgendwas habe ich wohl falsch gemacht.

Was könnte denn noch fehlen?

Ihr meint, ich habe die Gewürze vergessen?

Ihr seid aber kleinlich. Was sollen denn die paar Krümmel ausmachen! Aber wenn ihr meint. Wir sind ja eine demokratische Kirche. Also gut, aber nur weil ihr es seid, dann packe ich halt auch ein paar Gewürze mit rein. Etwas Salz. Etwas Pfeffer. Etwas Hühnerbrühe.

Vielleicht auch noch einen Eierstich.

Na, schmeckt doch schon ganz anders. Nicht perfekt, aber ein Pfarrer muss ja auch nicht alles können.


Also, während ich hier noch weiterkoche und weiterschäle und weiter schnibbel, kommen mir so meine Gedanken. Salz und Pfeffer. Salt ´n pepper. Ein komisches Thema für einen Gottesdienst, oder nicht? Salz gehört in die Küche und nicht in die Kirche. Obwohl, wenn ich so nachdenke, in der Abendmahlsoblate ist bestimmt auch Salz.

Salz und Pfeffer. Ihr seid das Salz der Erde, heißt es in der Bibel, und ihr seid der Pfeffer im Hintern der Politiker. Nee. So hieß das auch wieder nicht. Ich schau noch mal nach. Ihr seid das Salz der Erde, und ihr seid das Licht der Welt.


Also, wenn ich mir das mal auf der Zunge zergehen lasse – was für eine witzige Sprachparallele – dann machen wir als Christen die Weltsuppe interessant. Ohne uns ist sie langweilig, fad, eintönig. Ohne uns schmeckt die Suppe nicht. Aber mit uns ist sie lecker. Mit uns kommt die notwendige Würze in die Gesellschaft. Mit uns kommt Pfeffer in das Ganze.


Oder reden wir uns das nur ein? Werden wir als Christen überhaupt noch in unserer Gesellschaft gebraucht? Wir sind doch nur wenige. Was hat Galileo neulich rausgefunden? 6 % der Bürgerinnen und Bürger gehen sonntags in die Kirche. Also, von wegen: ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.


Dasselbe haben sich die Jünger damals offensichtlich auch gefragt. Wir paar Hansels sollen das Reich Gottes aufbauen? Wir Männekes sollen die Sache Jesu fortsetzen? Fragend, lachend, zweifelnd standen sie wohl vor Jesus und zuckten mit den Achseln.


Und dann kommt jener Satz: Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Jetzt schon. Heute schon. Ihr müsst es nicht erst werden. Ihr müsst nicht noch irgendeine Qualifikation durchlaufen. Ihr seid das Salz der Erde.


Und letztendlich ist das Bild vom Salz auch ganz passend in dem Zusammenhang. Denn wir schütten ja nicht löffel- oder tütenweise Salz in den Suppe. Nur ein paar Körner reichen, um den richtigen Geschmack dran zu kriegen.


Ein paar Christen, die mit Überzeugung ihren Glauben leben, reichen, um eine Gesellschaft zu bereichern.

Und ich stell mir vor, wie damals die Jünger dann staunend vor Jesus standen und ihn fragten: Wie? Wie können wir Salz sein? Womit können wir Pfeffer sein? Wie kann uns das gelingen?


Und dann fängt Jesus an zu predigen, damals auf jenem Berg.

Und wir reden bis heute von der sogenannten Bergpredigt, die er damals gehalten hat. Und er hat damals heiße Eisen angepackt, drängende gesellschaftliche Themen.


Er sprach vom Töten und definierte Menschenwürde neu. Ihr Christen seid Salz in der Suppe, wenn ihr bereits bei einer Beleidigung die Würde eines Menschen verletzt seht, nicht erst im Todesfall.


Vom Ehebrechen sprach er und sagte. Ihr seid Salz in der Suppe, wenn sich auch in der Partnerschaft nicht der eine über den anderen erhebt.


Über den Zorn sprach er, über die Feindesliebe, über das Geldspenden, über das Beten, das Fasten, das Geldanhäufen sprach er. Auch über Urteile und Vorurteile. Und immer und immer sagte er: in solchen Fragen könnt ihr Salz in der Suppe sein, wenn ihr euch von Gottes grenzenloser Liebe bestimmen lasst, und nicht von euren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen.


Ok, das war damals. Und heute? Können und sollen wir auch heute Salz in der Suppe sein?


Ich bin zutiefst überzeugt davon, dass Gottes Wort auf einen Seite zeitlos und auf der anderen Seite brandaktuell ist. Wenn wir uns heute die Frage stellen nach Salz und Pfeffer, nach salt n´pepper, dann schaut uns heute Jesus Christus tief in die Augen und sagt uns: Ihr seid Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt.


Und es ist nur angemessen, wenn wir uns heute fragen, wie uns das denn gelingen kann.

Die Frage muss natürlich jeder für sich selber klären. Weil jeder Mensch in seinen ganz eigenen Bezügen steht. Und doch gibt es dabei keine Beliebigkeit, was es heißt, Salz und Licht zu sein.


Wir sind Salz der gesellschaftlichen Suppe, wenn wir uns in unseren Entscheidungen und Positionen von der Liebe Gottes bestimmen lassen. Und diese Liebe ist an keine Bedingungen geknüpft. Sie ist grenzenlos und gilt jedem Menschen.


Wenn wir diese Liebe ernst nehmen, dann sind wir Salz und Pfeffer und Licht der Welt.


Ich gebe mal drei kleine Beispiele, wie ich versuche, dieser Liebe nachzufolgen und Licht der Welt zu sein.


Ich habe mal in einem Heim gearbeitet für Obdachlose. Da ging es natürlich zünftig zu. Etwas rauher als in meinem damaligen Zuhause. Ich habe mir immer wieder gesagt: diese Menschen da, die ziemlich ungehobelt sind und nach Müllabfuhr stinken, die sind von Gott geliebte Menschen. Dadurch ist für mich eine ganz neue Sichtweise von Menschenrecht und Menschenwürde entstanden.


Oder die Frage, wie ich es mit ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern halte, wird bei mir ganz klar von dieser Liebe bestimmt. Sie sind wie ich eine wunderbare Blume auf Gottes bunter Wiese.


Oder meinen Einsatz für die Natur leite ich von Gottes Liebe zu seiner Schöpfung ab. Und siehe, es war sehr gut, heißt es in der Bibel, als Gott sich seine Werke anschaute. Und diese guten Werke Gottes will ich bewahren und schützen.


Aber allein die Tatsache, dass wir Christen an einen Gott glauben, macht uns zum Salz der Erde und zum Pfeffer in der Suppe. Wir sind damit Mahner. Wir erinnern unsere Mitmenschen daran:

Hey, es gibt nicht nur uns. Es gibt etwas, was größer ist als unser Verstehen. Es gibt jemanden, der der Zeit und unserem menschlichen Leben einen Sinn und ein Ziel gibt. Und es zählt nicht nur das, was wir leisten. Es gibt eine Liebe, die wichtiger ist als alle unsere Erfolge im Leben.


Ja, wir sind Salz der Erde. Wir sind Salz in der Suppe. Wir sind eine Provokation für Menschen, die so in den Tag leben und sich selber als den Mittelpunkt der Welt verstehen. Wir sind die Würze unserer Gesellschaft.


Und ich hoffe und wünsche mir, dass ich so glaubhaft lebe, dass ich tatsächlich manchmal Pfeffer im Hintern der Entscheidungsträger unserer Gesellschaft bin. Weil ich mich von der Liebe Gottes bestimmen lasse. Dazu helfe mir Gott. Amen.







VON: MATTHÄUS 5,13 (HARTMUT GÖRLER)





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Stand:  18.04.2010 21:58