Predigtarchiv

Dreimalige Verleugnung - dreimalige Beauftragung
vom 14.03.13, 15:09    Rubrik: Predigten

Dreimal verleugnet Petrus seinen Herrn.

Dreimal.

Einmal behauptet eine Magd: Dieser war auch mit ihm! Aber Petrus antwortet: Frau, ich kenne ihn nicht.

Und nach einer Weile sah ein anderer ihn und sprach: Du bist auch einer von ihnen! Petrus aber antwortete: Mensch, ich bin´s nicht.

Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde bekräftigte ein anderer und sagte: Wahrlich, dieser war auch mit ihm! Petrus aber sprach: Ich weiß nicht wovon du redest.


Warum?


Vielleicht aus Angst...

Vielleicht aus Schwäche, weil er spürte, wie ihm der eigenen Glauben aus den Fingern rann...

Vielleicht aus Feigheit.

Vielleicht aus Gedankenlosigkeit.

Vielleicht weil ihm in diesem Moment der Glaube aus den Finger rann


Mir kommt die Begegnung mit Hesam in den Sinn, einem jungen Iraner, oder mit Hosnieh oder Sahar, auch die waren Christen; auch die mussten ihren Glauben im Iran verleugnen, um zu überleben.


Und wir?


Wir haben eigentlich keinen wirklichen Grund, unseren Glauben an Jesus Christus zu verleugnen.

Wir haben nichts zu befürchten.

Wir haben keine Gewalt zu erwarten,

keine Verfolgung,

und doch verleugnen auch wir auf unsere Weise unseren Glauben an Jesus Christus.

Aber wie gesagt, 

1:1 lässt sich wohl die Petruserfahrung nicht auf uns übertragen.

Oder vielleicht doch?

Wenn wir bei Angehörigen oder guten Bekannten, die nicht an Gott glauben, auffällig zurückhaltend sind, wenn es um Glaubensthemen geht.

Wenn wir in einem nichtkirchlichen Umfeld lieber den Mund halten als Flagge zu zeigen.

Wenn wir zum Beispiel bei der Steuererklärung auch mal fünfe grade sein lassen und unsere eigentliche Werte außer Acht lassen.

Wenn wir bei fremdenfeindlichen Stammtischparolen mitlachen statt von der Liebe Gottes zu reden.

Wenn wir aus Trägheit nicht ins Gebet finden und Gott damit seine Ehre verweigern.

Dann verleugnen wir auch unseren Herrn.

Immer und immer wieder.

Wir sind also nicht besser als dieser Petrus.

Auch wir sind ein Teil der Leidensgeschichte Jesu.

Auch unser Reden und Schweigen, Tun und Lassen bringen letztendlich Christus ans Kreuz.


In der Logik kirchlicher Tradition müsste nun an dieser Stelle ein Beichtgebet des Sünders und Sündenvergebung durch Christus erfolgen. Nichtsdergleichen finden wir in der Petrusgeschichte. Nur ein Blick. Kurz bevor der Hahn dreimal kräht, schaut Jesus Petrus in die Augen.

Erst später, nach dem Tod Jesu und nach seiner Auferstehung, kommt es zu einer Folgebegegnung.

Der Auferstandene kommt zum See Tiberias. Dort trifft er auf Petrus, auf den Zwilling Thomas, auf Nathanael auf die Söhne des Zebedäus und auf zwei weitere Jünger. Die sind schon längst wieder an ihren alten Arbeitsplatz zurückgekehrt. Es kommt zu einem Wunder. Die Jünger fangen so viel Fisch, dass sie ihn kaum an Land bringen können. Sie essen zu Abend, Brot und Fisch, ein Anklang an das letzte Mahl. Jesus fragt Petrus: Hast du mich? Nicht einmal, nicht zweimal, sondern dreimal. Immer wieder bejaht Petrus diese Frage. Schließlich beauftragt Jesus seinen Jünger: Weide meine Schafe!


Petrus verleugnet Jesus.

Dreimal.

Jesus beruft Petrus.

Dreimal.

Er sendet ihn hinaus in die Welt,

obwohl er ihn dreimal enttäuscht hat.


Auch wir enttäuschen Jesus immer wieder.

Aber auch uns beruft der Herr.

Seine Liebe ist größer als seine Enttäuschung.

Er sendet uns hinaus in die Welt.

Wir dürfen im Sinne des Priestertums aller Gläubigen

seine Schafe weiden.


Wir sind ein Teil der Leidensgeschichte Jesu.

Wir haben aber auch Anteil an dem geheimnisvollen Wechselspiels seines Todes und seiner Auferstehung. Der Auferstandene feiert mit uns das Abendmahl und beruft uns als seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Amen.



VON: HARTMUT GÖRLER (LUKAS 22,61)





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Stand:  18.04.2010 21:58