Predigtarchiv

Wie soll ich dich empfangen?
vom 24.12.12, 11:43    Rubrik: Predigten

Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir?


Schon Hundert mal haben wir das Lied gesungen. Schon Hundert mal hat uns jenes Lied die immer gleiche Frage gestellt. Wie sollen wir ihn , den Christus, in rechter Weise empfangen? Aber, haben wir auf diese Frage eine Antwort erhalten? Wie sollen wir denn nun Jesus Christus empfangen, wenn er zu uns kommt? Wie sollen wir ihn willkommen heißen? Was ist eigentlich die richtige Weihnachtshaltung, um ihn bei uns zu begrüßen?


Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir?


Manchmal hilft es, solche Fragen des Glaubens mal ganz alltäglich durchzubuchstabieren.


Was würden Sie zum Beispiel tun, wenn sich ein besonderer Ehrengast angemeldet hätte. Nehmen wir einmal an, unser Bundespräsident Gauck hätte Ihnen einen Brief geschrieben, in dem er sich für den zweiten Weihnachtstag bei Ihnen einlädt.

 

Da fängt das Ganze schon an. Wie würden Sie reagieren?


Es kann sein, dass Sie den Brief gar nicht erst öffnen. Kein Interesse. Direkt in den Papierkorb.


Es könnte sein, Sie lesen den Brief, aber lehnen seinen Besuch dankend ab.


Oder aber, Sie sagen sich: das ist ja toll, dass der Herr Bundespräsident zu mir kommen möchte. Den will ich gerne in meine gute Stube aufnehmen.


Dasselbe gilt für unseren Glauben. Jesus kündigt sich an. Er kommt zur Welt. Er kommt zu uns. Das ist die Weihnachtsbotschaft. Und wieder haben wir verschiedene Möglichkeiten, darauf zu reagieren.


Wir hören noch nicht mal seine Einladung. Schade.


Oder aber, wir nehmen sie zur Kenntnis, lehnen aber dankbar ab. Auch schade.


Oder aber, wir wollen an Jesus Christus glauben und ihn bei uns willkommen heißen.


Daraus ergibt sich allerdings direkt die nächste Frage. Wie?

Wie reagieren wir in angemessener Weise auf seine Anfrage?


Noch mal zurück zu dem Besuch des Bundespräsidenten.


Also ich, ich würde gerne mit ihm zu Abend essen und ihn festlich bewirten.


(Festtagstafel wird nach und nach aufgebaut).


Ich würde eine saubere Tischdecke auflegen. Das beste Geschirr aus dem Schrank holen. Weingläser auf den Tisch stellen. Frische Blumen in einer Vase. Kerzen herausholen. Servietten. Obstschale. Und ein Geschenk würde ich auch besorgen für meinen Ehrengast.


Ist das die angemessene Form, Jesus in unserer Mitte zu begrüßen?


Ich kann ja noch mal bei dem Lied nachlesen. Vielleicht gibt das Lied mir ja auch noch eine Antwort auf meine Frage.


Strophe 3: Was hast du unterlassen zu meinem Trost und Freud?


Strophe 4: Ich lag in schwersten Banden, du kommst und machst mich los.


Strophe 7: Er kommt, er kommt mit Willen.


Strophe 8: Jesus will sie decken mit Liebe und mit Huld.


Strophe 10: Er kommt zum Weltgerichte.


Das ist aber komisch. Da stellt das Lied die Frage „Wie soll ich dich empfangen?“ und erzählt dann aber nur von ihm. Was er macht. Was er uns Gutes tut. Womit er uns beschenkt. Das ist aber seltsam.


Nein, das ist nicht seltsam. Das ist Evangelium. Das ist Glaube nach biblischem Verständnis. Das ist Weihnachten. Gott kommt zu mir. Das ist das alles Entscheidende. Ich muss nichts tun, weil er schon alles für mich getan hat. Er bringt seine Geschenke mit. Er gibt mir alles, was ich zum Leben brauche. Er ist genug, und ich, ich brauche nichts anderes zu tun, als mich von Gott besuchen und beschenken zu lassen. Sola gratia, hat der alte Luther gesagt. Die Gnade allein genügt.


Die Strophe 7 des Liedes drückt das sehr scharf und deutlich aus:


Ihr dürft euch nicht bemühen, noch sorgen Tag und Nacht, wie ihr ihn wollet ziehen mit eures Armes Macht. Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust, all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.


Mit eigenen Worten heißt das: Ihr müsst nichts leisten, um Gottes Liebe zu erhalten. Ihr müsst nichts vorweisen. Auch keinen festen Glauben. Ihr müsst nicht hektisch werden. Die einzig wahre Glaubenshaltung ist, sich von ihm dankbar beschenken zu lassen.

Denn er kommt. Er kommt mit Liebe und Gnade. Er kommt, um dir Angst wegzunehmen und dich zu trösten.

Glaube heißt, mit offenen Händen das zu empfangen, was Gott mir hineinlegen möchte. Sola fide, hat Luther gesagt.


Wenn das so ist, dann passt meine Festtagstafel gar nicht zu unserem Lied. Dann packe ich mal lieber alles wieder ein.


Doch halt, wie wäre es, wenn ich das Ganze einfach anders herum sehe?

Wenn ich mir vorstelle: Weihnachten heißt, dass Gott für einen Tisch deckt und dass er mich an seine gedeckte Tafel einlädt, wenn ich bei ihm Ehrengast sein darf, so wie ich bin, ohne Voraussetzung, ohne Bedingung? Wenn ich quasi in seine gute Stube eintreten und mich bei ihm zu Hause fühlen darf?


Wie heißt es noch mal in der letzten Strophe des Liedes?

Ach komm, ach komm, o Sonne, und hol uns allzumal zum ewgen Licht und Wonne in deinen Freudensaal.


In Gottes Freudensaal sind die Tische bestimmt festlich gedeckt. Denn

wie heißt es noch mal in Psalm 23? Du, Gott, bereitest für mich einen Tisch. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.


Das ist doch mal eine Weihnachtsbotschaft. Nicht ich muss schaffen und machen, werkeln und tun. Ich bin bei Gott eingeladen, und er stößt mit mir an.


Na, das machen wir doch einfach mal. Wir stoßen mit Gott an und stoßen auf ihn an. Gott öffnet für uns eine Flasche Sekt oder eine Flasche Orangensaft. Er heißt uns willkommen und sagt: Nimm Platz. Bedien dich. Ich gebe dir alles, was du zum Leben brauchst. Amen.


Sektempfang



VON: HARTMUT GÖRLER (GEDANKEN ZU EG 11)





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Stand:  18.04.2010 21:58