Predigtarchiv

Ihr seid das Licht der Welt. Das gibt´s doch gar nicht.
vom 07.12.12, 13:29    Rubrik: Predigten

Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. Und er sagt: Ihr seid das Licht der Welt.


(Ich versuche eine Taschenlampe anzumachen, geht aber nicht, ich schimpfe, weil das Mistding mal wieder nicht geht)


Naja, das ist ja jetzt peinlich. Jetzt will ich über das Licht der Welt sprechen und demonstrieren, wie eine kleinen Taschenlampe einen dunklen Raum erhellen kann, da geht das Ganze nicht. Vorführeffekt halt. Aber gut, vielleicht ist das gar nicht so dumm. Denn die Jünger von damals, die fühlten sich auch wie eine Taschenlampe ohne Saft.


Ihr seid das Salz der Erde, hat Jesus damals zu seinen Jüngern gesagt, und ihr seid das Licht der Welt.


Die Jünger und Freunde von Jesus haben sich damals wahrscheinlich fragend angeschaut. Wir sind Salz der Erde? Wir sind Licht der Welt? gibt’s doch gar nicht. Kann ja gar nicht sein. Dass du, Jesus, Licht der Welt bist, das können wir uns noch vorstellen. Du hast einen festen Glauben an Gott. Du kannst toll von Gott reden. Du kannst Menschen trösten und sie heilen. Und deine Liebe ist scheinbar grenzenlos.

Aber wir? Wir können gar nichts von alledem. Wir sind weder Licht noch Salz. Mit uns kannst du nicht rechnen.


Genau, meldete sich vielleicht damals ein Jünger zu Wort, ich zum Beispiel kann gar nicht richtig glauben. Ich frage mich immer, was überhaupt Glaube ist. Wie das geht. Ich würde ja gerne an Gott glauben, aber ich habe ihn noch nie gesehen.


Ich habe ein ganz anderes Problem, sagt ein anderer Jünger. Du sagst immer, wir sollen von Gott erzählen. Aber wenn es so weit ist, weiß ich immer nie, was ich sagen soll.



Ein dritter Jünger sagte vielleicht: Ich, Salz und Licht? Niemals. Du hast doch gesagt, wir sollen kranke Menschen heilen. Aber immer wenn ich es versuche, passiert nichts. Nee, nee.


Wiederum ein anderer sagte vielleicht: Und ich, ich bin mir noch gar nicht sicher, ob das Ganze was für mich ist. Ich lauf zwar mit, aber das war´s aber auch schon. Ja, ein Mitläufer bin ich, ein Ich wertloser Mitläufer.


Sätze, die wir kennen wir. Die Sätze von damals sind Sätze von heute. Was wir gut können, ist, dass wir nichts können. Wenn wir jetzt eine Umfrage machen würden hier in dieser Kirche, würden vermutlich die meisten sagen: ich habe keinen festen Glauben. Ich kann nicht richtig glauben. Ich habe so viele Zweifel. Ich, Licht der Welt? Niemals. Ich, Salz der Erde? Ach, geh weg.


Aber Jesus ließ sich damals nicht von seinen eigenen Jüngern entmutigen, und er lässt sich auch heute nicht von uns entmutigen.


Doch doch, sagt er, ich bin das Licht der Welt, und ihr seid auch Licht der Welt und das Salz der Erde.


Und ich stell mir vor, wie die Jünger damals antworteten: Schau uns doch an, wir sind vielleicht wie eine Taschenlampe, aber wie eine Taschenlampe, die nicht geht. Nichts wert. Zu nichts zu gebrauchen.


Nein, nein, sagt Jesus. Da habt ihr was falsch verstanden.

Ihr seid nicht automatisch Licht der Welt.

Ihr seid nicht aus euch heraus Licht der Welt.

Wenn ihr mit mir in Kontakt kommt, seid ihr Licht der Welt. Erst dann. Aber dann seid ihr es auch. Ich bin so etwas wie die Batterie eurer Taschenlampe.

Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Ihr seid Licht der Welt, wenn ihr mein Licht bei euch einziehen lasst,

wenn ihr meinem Licht die Türe öffnet, wenn ihr euch von meinem Licht berühren lasst.


Wir sollen Jesus anzapfen? Wir sollen mit ihm in Kontakt treten? Wir sollen ihn unsere Batterie sein lassen?


Das will ich mal ausprobieren.


(Ich nehme die Taschenlampe auseinander, lege Batterien rein; und siehe da, die Taschenlampe funktioniert)


Tatsächlich, eine Taschenlampe an sich leuchtet nicht. Aber wenn die Batterien und das Birnchen zusammenkommen, dann erst leuchtet sie.


Wir können nicht Licht der Welt sein aus uns heraus, weil wir so tolle Menschen sind oder weil wir so Superchristen sind. Wir dürfen Lciht der Welt sein - aus Christus heraus. Wenn wir mit Jesus Christus in Kontakt kommen, dann, ja dann werden auch wir leuchten und anderen Menschen ein Licht sein.


Die Frage ist nur: wie kommen wir denn mit Jesus Christus in Kontakt?


Dieser Gottesdienst wird uns dazu einige Möglichkeiten aufzeigen. Ihr werdet gleich Zeit haben, herum zu gehen und verschiedene Stationen zu besuchen. Sie stehen für unterschiedliche Formen, wie wir mit Jesus Christus Kontakt bekommen können.


Da ist zum Beispiel die Station „Fürbitten“. Wir können für andere Menschen beten, egal wo sie sind und erzählen Jesus Christus, was uns bewegt. Und schon sind wir Licht der Welt.



Da ist zum Beispiel die Station mit kleinen Bibelversen. In der Bibel zu lesen, Gottes in sich wirken zu lassen, ist eine Kontaktaufnahme mit Christus. Auch so können wir Licht der Welt werden.


An der dritten Station können wir Gott aber auch das klagen, was uns zu schaffen macht. Auch durch ein Klageruf und durch ein Klagegebet können wir Licht und Salz werden.


Auch in der Ruhe, in der Stille, im Nachdenken können wir zum Licht der Welt werden. Wir haben vor dem Marienaltar Wärmelampen aufgebaut, wo Sie sich für einen Moment bescheinen lassen können.


Oder im Abendmahl finden wir Kontakt zu Jesus Christus. In der Sakristei feiern wir heute das Abendmahl symbolisch mit Brot und Weintrauben.


Es gibt viele unterschiedliche Berührungspunkte zwischen Christus und uns. Spiritualität nennen wir das mit einem Fremdwort. Es gibt viele Möglichkeiten, mit ihm in Kontakt zu kommen. Und dann, dann sind wir auf einmal Licht der Welt, weil Christus durch uns hindurch strahlt. Dann sind wir auf einmal Boten des Lichts mitten in der Welt voller Dunkelheit. Mache dich auf und werde licht; denn dein Licht kommt. Amen.


VON: HARTMUT GÖRLER (MATTHÄUS 5,14)





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Stand:  18.04.2010 21:58