Predigtarchiv

Zur Freiheit hat uns Christus befreit
vom 30.10.12, 15:39    Rubrik: Predigten

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen!

„Alle einzelnen Worte haben Nachdruck. Paulus sagt: „Steht in der Freiheit!“ In was für einer Freiheit?

Nicht in der Freiheit, die der Kaiser gibt, sondern in der, zu der Christus uns befreit hat. Der Kaiser hat Freiheiten von öffentlichen Diensten gegeben, Privilegien, Bewilligungen etc.. Das ist auch Freiheit, aber die bürgerliche Freiheit.

Dann gibt es auch die Freiheit des Fleisches, die allenthalben in der Welt herrscht. Da gibt es keinen Gehorsam gegen Gott und die Gesetze, sondern man tut, was man will. Dieser Freiheit folgt heute das Volk, daszu die fanatischen Geister, die frei sein wollen in ihren Meinungen und Handlungen, um das, wovon sie träumen, es sei recht, ungestraft lehren und ausführen zu können. Das ist eine teuflische Freiheit. Von dieser Freiheit handeln wir nicht, wiewohl sie im Überschwang geübt wird und die ganze Welt diese Freiheit allein sucht und ihr folgt.

Uns geht es auch nicht um die politische Freiheit, sondern um eine andere.

Es geht um die Freiheit, zu der Christus uns befreit hat, nicht um die Freiheit aus irgendeiner menschlichen Knechtschaft oder Tyrannengewalt, sondern um die Freiheit von dem ewigen Zorn Gottes.

Wo?

Im Gewissen. Hier hat unsere Freiheit ihren Ort und will diese Grenzen nicht überschreiten. Denn Christus hat uns nicht in politischer Hinsicht frei gemacht, nicht im Blick auf den äußeren Menschen, sondern theologisch oder in geistlicher Weise, d.h. er hat unser Gewissen frei und froh gemacht, dass es den kommenden Zorn nicht fürchten muss. Das ist die wahre, unüberbietbare und unschätzbare Freiheit, im Vergleich zu deren Größe und Majestät die übrigen Freiheiten kaum ein Tropfen oder ein Tröpfchen sind. Wer kann genug rühmen, was das für eine große Sache sei, wenn einer mit Gewissheit davon sprechen kann, dass Gott weder zornig sei noch jemals Zorn zeigen wolle und dass er in Ewigkeit um Christi willen der geneigte und gütige Vater sein werde? Das ist wahrhaftig eine große und unbegreifliche Freiheit, um die Gunst, den Schutz und die Hilfe dieser höchsten Majestät zu wissen und darauf zu hoffen, dass sie uns schließlich auch leiblich befreien werde, so dass unser Leib auferstehen werde in Unvergänglichkeit, Herrlichkeit und Kraft. So ist eine unbeschreiblich herrliche Freiheit, größer als Himmel und Erde und alle Kreaturen: Wir sind frei von dem Zorn Gottes, in Ewigkeit.

Aus dieser Freiheit folgt die andere, derzufolge wir durch Christus frei gemacht werden von dem Gesetz, von der Sünde, von dem Tod, von der Gewalt des Teufels, von der Hölle etc.. So wie der Zorn Gottes uns nicht erschrecken kann, denn Christus hat uns davon frei gemacht, können uns Gesetz, Sünde etc. nicht anklagen und verdammen. Und wiewohl das Gesetz und anklagen und die Sünde uns erschrecken mag, so können sie uns doch nicht in Verzweiflung bringen, weil da der Glaube spricht: Jene Mächte gehen mich nichts an; denn Christus hat mich von ihnen frei gemacht. So liegt auch der Tod, der das Schrecklichte und Schaudervollste in der Welt ist, besiegt im Gewissen durch diese Freiheit des Heiligen Geistes.

Das Herz muss daher unterwiesen werden, dass es, wenn sich die Anklagen des Gesetzes, die Schrecken durch die Sünde, der Schrecken vor dem Tod, der Zorn Gottes melden, all diese traurigen Bilder aus den Augen tue und an deren Stelle die Freiheit Christi setze, die Vergebung der Sünde, die Gerechtigkeit, das ewige Leben, die immerwährende Barmherzigkeit Gottes.

Lernen wir also diese unsere Freiheit hoch zu schätzen, die uns nicht der Kaiser, nicht ein Engel vom Himmel, sondern Christus, der Sohn Gottes durch seinen Tod erworben hat. Und er will uns nicht aus irgendeiner leiblichen und augenblicklichen Knechtschaft befreien, er macht frei von der geistlichen und ewigen Knechtschaft des Gesetzes, der Sünde, des Todes etc. und versöhnt uns so mit dem Vater. Wenn aber diese Feinde besiegt und wir durch den Tod seines Sohnes mit Gott versöhnt sind, dann ist´s gewiss, dass wir vor Gott gerecht sind und all unsere Handlungen ihm gefallen, und dass, was an Sünde in uns übrig ist, uns nicht zugerechnet, sondern um Christi willen geschenkt wird. Wer an Christus glaubt, hat diese Freiheit.



So weit Martin Luther.

Freiheit. Gott schenkt uns eine innere Freiheit, auch wenn wir äußerlich vielleicht gebunden sind. Gott schenkt uns eine Freiheit, die uns nichts und niemand nehmen kann. Gott schenkt uns eine Freiheit, die zu einem großen Lebensschatz werden kann. Gott nimmt uns die Sorge, dass unser Leben am Ende vielleicht doch nicht reicht, doch nicht rund und schön ist. Diese Sorge nimmt uns Gott. Er pflanzt in unser die Lebenssicherheit, dass er, der Schöpfergott uns liebt, unsere Schuld vergibt und freudestrahlend unser Leben anschaut.

Und aus diesem Grundvertrauen kann eine Grundfröhlichkeit, eine Dankbarkeit, eine Zufriedenheit, die viele Menschen in der heutigen Zeit vermissen lassen. Ich bin angenommen. Ich bin geliebt, und deswegen darf ich andere annehmen und lieben, so wie sie sind. Ich muss sie nicht verurteilen. Ich kann diese Menschen der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen und sie mit Gottes Augen ansehen.

Und Martin Luther schreibt in seinem Katechismus:

Ich glaube,

dass Jesus Christus, wahrhaftiger Gott, vom Vater in Ewigkeit geboren, und auch wahrhaftiger Mensch, von der Jungfrau Maria geboren,

sei mein Herr,

der mich verlorenen und verdammten Menschen erlöset hat,

erworben, gewonnen von allen Sünden,

vom Tode und von der Gewalt des Teufels;

nicht mit Gold oder Silber,

sondern mit seinem heiligen, teuren Blut

und mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben;

damit ich sein Eigen sei

und in seinem Reich unter ihm lebe und ihm diene

in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit,

gleichwie er ist auferstanden vom Tode,

lebet und regieret in Ewigkeit.

Das ist gewisslich wahr.


VON: MARTIN LUTHER (GALATER 5,1)





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Stand:  18.04.2010 21:58