Predigtarchiv

Wir zeigen Gesicht gegen rechte Gewalt
vom 24.06.12, 15:44    Rubrik: Predigten

Wir wollen keine Fremden mehr, denn es nimmt überhand! Aus aller Welt kommen sie her in unser deutsches Land! Es stört uns einfach, wenn sie hier ganz selbstverständlich wohnen! Das geht so nicht, drum fordern wir ausländerfreie Zonen!


Junge, Junge, das sind ganz schön harte Worte. Und es gut so, dass es euch schwergefallen ist, genau diese Worte ins Mikrofon zu brüllen. Aber leider, leider gibt es Menschen, auch in unserem Land, auch in unserer Stadt, die so denken.


Und die Frage ist: warum? Warum ist das so?


Für mich übrigens eine der schönsten Stellen in dem ganzen Musical, als ihr im Wechsel mit dem Saxophon dieses Warum in die Kirche hineingesungen habt.


Warum können die Menschen auf Erden nicht endlich Freunde werden und sich gegenseitig schätzen, anstatt sich zu verletzen? Warum können die einzelnen Rassen nicht aufhörn sich zu hassen? Denn das ist doch wirklich dumm! Warum denn nur, warum?


Eine Antwort habe ich auch nicht.

Vielleicht weil wir Menschen Angst haben, was zu verlieren?

Vielleicht weil wir die Sorge haben, uns verändern zu müssen?

Vielleicht wird uns an anderen Kulturen auch schmerzlich deutlich, wo wir unsere Kultur falsch auslegen und gestalten? Wer weiß?


Warum sich Menschen hassen, sich verachten, sich nicht so stehen lassen, wie sie sind, das ist eine grundsätzliche Frage, auf die es kaum eine Antwort gibt.


In den letzten Wochen und Monaten ist uns im Konfi-Unterricht und an den Chornachmittagen deutlich geworden: Gott, Gott will das nicht. Gott will nicht, dass wir Menschen uns einander das Leben schwer machen. Gott möchte, dass wir uns respektieren, uns wertschätzen und, wenn möglich, uns einander helfen und unterstützen. Über die Generationsgrenzen hinweg. Über die Konfessions- und Religiongsrenzen hinweg. Über die Kulturgrenzen hinweg.


Gott hat uns doch wunderbar geschaffen, und die, die anders sind als wir, die hat er auch mit Wert versehen.


Wir sind, so sagt es die Bibel, wie handgemachte Töpferschalen. Jede ist anders. Jede ist ein Unikat. Und doch sind alle Töpferschalen einmalige Kunstwerke. In jedem Menschen steckt die Fantasie und die Liebe und die Schaffenskraft Gottes. In jedem Menschen, auch in denen, die wir nicht leiden können, die wir nicht verstehen, die so schrecklich anders sind als wir.


Alle Menschen auf der Welt sind Ebenbilder Gottes.

Alle Menschen auf der Welt sind von ihm geliebt.


Ob sie nun reich oder arm. Klug oder eher beschränkt. Gläubig oder zweifelnd. Erfolgreich oder ein Loosertyp. Alt oder jung. Frau oder Mann. Alle Menschen sind Gottes wunderbare Geschöpfe.


Und das habt ihr in eurer Ausstellung so toll umgesetzt. Da ist zum Beispiel ein Plakat mit der Überschrift: Gott schuf die Vielfalt. Super. Dann sind ganz viele unterschiedliche Gesichter draufgeklebt. Sehr eindrücklich. Das sollten Sie sich gleich beim Rausgehen noch mal anschauen.

Gott schuf die Vielfalt.


Wenn das so ist, dann sollte sich das auch in unserem Leben widerspiegeln. Dann sollten wir vielleicht Freude an der Vielfalt entwickeln und unseren Scheuklappenblick weiten. Dann sollten wir vielleicht unsere Masken wegwerfen und Gesicht zeigen.


Ihr habt es mit eurem Musical getan, und dafür danke ich euch. Ihr habt als Jugendliche uns als Erwachsenen erklärt, dass es nicht egal, wie wir uns verhalten. Unser Glaube an Gott soll und kann sich in ganz alltäglichen Dingen widerspiegeln. Danke, dass ihr uns das auf hinter die Ohren geschrieben habt.


Wir zeigen Gesicht gegen rechte Gewalt, die Fremde als Feinde verachtet. Wir zeigen Gesicht und hoffen, dass bald man Fremde als Freunde betrachtet.


VON: HARTMUT GÖRLER





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Stand:  18.04.2010 21:58