Predigtarchiv

Ein Navi für´s Leben
vom 10.06.12, 13:32    Rubrik: Predigten

Mit Navi-Stimme:

  • Fahren Sie nun eine ganze Weile geradeaus.

  • Fahren Sie noch drei Kilometer gerade aus. Dann rechts abbiegen.

  • In 500 Meter rechts abbiegen.

  • In 300 Meter rechts abbiegen.

  • Biegen Sie jetzt rechts ab.

  • Jetzt abbiegen.

  • Bei nächster Gelegenheit bitte wenden.

  • Bitte wenden.

  • Bitte wenden.


Manchmal, manchmal kann einem diese Kiste ziemlich auf den Senkel gehen. Immer diese monotone Stimme. Immer derselbe Text. Aber hilfreich, hilfreich ist ein solches Navi durchaus. Wobei, es soll durchaus noch Menschen geben, die lieber in der Karte lesen oder ihrem eigenen Orientierungssinn vertrauen.

Schön wäre es allerdings, wenn es auch ein Navi für unsere Wege im übertragenen Sinne gäbe. Für die anstehenden Entscheidungen im Großen wie im Kleinen.

Wenn ich zum Beispiel an meine Freundinnen denke, die jetzt gerade Abi gemacht haben, aber noch nicht wissen, wie es weitergehen soll. Das wäre doch voll cool, wenn die ein Navi anknipsen könnten, das dann antworten gibt:

  • Nach drei Monaten bitte rechts abbiegen zur Uni Bochum.

  • Oder: Fahren Sie noch ein Jahr gerade aus und machen Sie ein Freiwilliges Jahr auf dem Kirchberghof.

  • Oder: bitte wenden. Bitte wenden. Sie haben den falschen Weg gewählt.

Das wäre doch klasse, solch eine Maschine zu haben, die uns hilft, unsere Entscheidungen zu fällen.

Bei welcher Firma soll ich mich bewerben? Bei der Bäckerei um die Ecke oder bei einer Schlosserei in München?

Welches Sofa soll ich kaufen, das schwarz-gelbe oder das blau-weiße?

Was soll ich nur zu Mittag kochen?

Und welches Kleid soll ich anziehen?

Und welchen Man soll ich heiraten?

Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Doch leider, leider gibt es solch ein Navi nicht. Oder vielleicht doch?

Hat nicht Jesus gesagt: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben? Und haben nicht die Jünger gesagt: Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des Ewigen Lebens. Und in der Tat. Gott bietet sich uns an als Wegbegleiter an, als Entscheidungshilfe, als Orientierungsgeber, als Maßstab, als geistliches Navigatiosgerät. Aber die Frage ist: wie funktioniert das? Wir sind in der Regel nicht sonderlich geübt im Umgang mit dieser Technik. Was muss ich tun? Was muss ich lassen? Vielleicht, vielleicht ist ja dieser Gottesdienst so etwas wie eine Bedienungsanleitung. Hoffentlich kein Fachchinesisch, sondern durch und durch verständlich.

Also, wie funktioniert das Ganze? Und da ich, wie ihr wisst, es bevorzuge, ganz konkret zu predigen, nehme ich mal die Frage nach dem zukünftigen Berufsweg als Ausgangspunkt und buchstabiere sie mal anhand des geistlichen Navigationsgerätes durch. Aber ihr könnt das gerne auf andere Lebenswege und Lebenskreuzungen beziehen.


Dann schlage ich mal die Bedienungsanleitung auf und lese im Vorwort:


Schön, dass Sie sich für den Navigator Gott entschieden haben. Sie haben damit eine gute Wahl getroffen und setzen auf einen Partner, der seit Jahrhunderten zuverlässig arbeitet. Bitte schalten Sie Ihren Betrieb auf Empfang, damit ein regelmäßiger Austausch überhaupt erst möglich wird.

 

Aha, wer was von Gott will, muss ernsthaft mit Gott in Beziehung treten und von ihm was erwarten. Der muss seine Sinne auf Empfang stellen und sich Gott bewusst zuwenden.


Ich blättere weiter in der Bedienungsanleitung und sehe vier große Kapitel.


Das erste Kapitel lautet: Gebet. Und ich lese: Fangen Sie an zu beten und bringen Sie Ihre Anliegen vor Gott.


Zum Beispiel so: „Guter Gott, ich habe jetzt Abitur gemacht. Ich weiß, dass ich viele Gaben habe. Ich könnte so manchen Beruf gut ausfüllen. Aber ich bin mir so unsicher, was ich tun soll? Eine Lehre? Ein Studium? Vielleicht noch ein Freiwilliges Soziales Jahr? Und wenn ich studieren soll, was soll ich studieren? Bitte zeig mir, was ich tun und lassen soll.“ So könnte ein entsprechendes Gebet aussehen. Und Gott hat versprochen, auf unsere Gebete zu antworten. Nur wann und wie, das hat er nicht gesagt. Deshalb gilt, wie wir es beim letzten punkt11 formuliert haben: Pray until something happens. Bete, bis etwas passiert. Dummerweise hat Gott viele Möglichkeiten, auf unser Gebet zu antworten, und wir müssen sehr wach sein, um seine Antworten zu hören. Gott könnte unsere Gedanken prägen. Er könnte uns auf einen Zeitungsartikel stoßen lassen. Er kann uns Träume schicken. Er kann uns in irgendwelchen Gesprächen Aha-Erlebnisse schenken. Er kann auch bei möglichen Bewerbungen Türen zuschlagen, damit wir anderes in den Blick nehmen. Um Führung, um Wegweisung, um Hilfe zu bitten, ist der erste Schritt der Entscheidungsfindung.


Dann schlage ich die Seiten um in der Bedienungsanleitung und finde das zweite Kapitel: Kriteriensuche. Lesen Sie in der Bibel und suchen Sie dort nach einem roten Faden für Ihr Leben.


Parallel zum 1. Schritt darf und soll ich gleich den zweiten Tun. Ich darf in der Bibel lesen und sie als Gottes Wort ernst nehmen. Ich darf darin nach Kriterien suchen, nach Prinzipien, die für mich zählen. Vielleicht stoße ich dort immer wieder auf Texte, die mich in Bewegung setzen wollen, die mich in die weite Welt schicken und mich auffordern, von zu Hause aufzubrechen. Ein Hinweis darauf, dass ich vielleicht doch auswärts studieren soll? Vielleicht finde ich immer wieder Geschichten und Verse, die mich daran erinnern, dass ich Liebe verschenken und Hilflosen dienen soll. Ein Hinweis darauf, dass ein sozialer Beruf für mich der richtige sei?

Sie merken, ich komme etwas ins Stottern, weil ich nicht euch vorbuchstabieren kann, was ihr gefälligst in der Bibel entdecken sollt. Aber ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gottes Wort, geschrieben und gepredigt, uns durchaus helfen will und helfen kann, unseren Weg zu finden, auch unseren beruflichen.

Über die Bibel hinaus gibt es übrigens auch die Möglichkeit, mit anderen Christen im Gespräch zu sein und mit ihnen meine Fragen und Überlegungen zu besprechen. Gottes Geist wirkt ja zum Glück auch durch uns Menschen.


Ich blättere weiter in der Bedienungsanleitung des geistlichen Navis und stoße auf Kapitel 3: Menschenverstand. Ich lese: Schalten Sie ruhig Ihren Verstand ein. Gott hat Ihnen den gegeben.


Gott hat uns Verstand gegeben, mehr als genug. Er hat uns ein Gewissen geschenkt. Auch die Bauchgefühle gehören zu unserer Geschöpflichkeit dazu. Wir dürfen sie einsetzen, ihnen vertrauen, sie zu Rate ziehen. Wir dürfen eigene Entscheidungen treffen, auch aus dem Bauch heraus. Wir dürfen logisch an eine Entscheidungsfindung herangehen und die Argumente dafür und dagegen abwägen. Was macht mir Spaß? Welche Gaben habe ich? Was für ein Gefühl habe ich? Welcher Beruf macht bei mir Sinn? Welchen Beruf kann ich mit meinen Hobbys, mit anderen Interessen verbinden? Wo sehe ich mich in 15 Jahren?


Unser Glaube an Gott ist eben ein ganz anderes Navi. Wir kriegen leider nicht immer glasklar gesagt, wohin wir gehen sollen. Gott nimmt uns das Denken nicht ab, sondern redet und wirkt gerade durch unser Denken. Unsere Entscheidung mag Gottes Wille sein, aber sie ist und bleibt unsere Entscheidung und unsere Verantwortung.


Ich blättere weiter und stoße auf das vierte Kapitel der Bedienungsanleitung. Und lese. Aufbruch. Und die ersten Worte lauten: „Und wenn Punkt 1-3 noch zu keiner Klarheit geführt haben, gehen Sie trotzdem los. Vertrauen Sie darauf: Gott begleitet Sie auf allen Wegen, selbst auf den falschen und selbst auf denen, die eine Sackgasse sind.


Für euch, die ihr jetzt nach dem Abi eine Entscheidung fällen musst,

heißt das: Geht los. Brecht auf. Fangt irgendetwas an. Denn euch gilt Gottes Zusage: Ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende. Es kann sein, ihr entscheidet euch falsch. Es kann sein, ihr entscheidet euch für einen Umweg. Es kann sein, ihr sagt später: Hätte ich mal. Glaubt mir, Gott hat die Möglichkeit euch selbst auf krummen Wegen zum Ziel zu bringen, Oder nicht?


Ich lese die Schlusssätze der Bedienungsanleitung.


Schön, dass Sie bis hier hin der Bedienungsanleitung gefolgt sind. Übrigens, Sie müssen sich nicht zwanghaft an der Reihenfolge 1 – 4 halten. Sie können auch das Buch von hinten nach vorne lesen. Oder alle Kapitel parallel. Gebet. Krieteriensuche. Menschenverstand. Aufbruch. Vier gute und wichtige Schritte.

Aber das Entscheidende ist:  Der Navigator Gott ist keine programmierte Stimme, sondern ein lebnendiges Du, das sich immer wieder auf Ihre ganz persönliche Situation einstellt. In diesem Sinne: viel Spaß mit Ihrem neuen Navigator, und Gottes Segen auf Ihren Wegen.







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Stand:  18.04.2010 21:58